Nach ÖBB-Streik: ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch plädiert für "echte" Gespräche
- Chaos blieb bei 12-stündigem Streik aus. Regierung zeigte kein Verständnis für Arbeitskampf.
- PLUS: Bilder & Reaktionen!
·REAKTIONEN
Was Österreicher zum Streik sagen!
·Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Wird Heinz Fischer ein guter Bundespräsident?
·DIE BILDER
Leere Hallen: Das war der ÖBB-Streik
·Schadenersatz
ÖBB wollen 4 Mio von Gewerkschaft
Von Mitternacht bis 12 Uhr Mittags dauerte am Dienstag der ÖBB-Streik. Der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft Wilhelm Haberzettl sprach von einem "mustergültigen Streik", der "lückenlos eingehalten" worden sei. Die Regierung zeigt sich allerdings unbeeindruckt und will die Reform wie geplant am kommenden Dienstag im Ministerrat beschließen. ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch plädierte ebenso wie Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl für neue Gespräche.
Nach dem halbtägigen ÖBB-Streik haben am Dienstagabend in der "ZiB2" sowohl ÖGB-Präsident Fritz Verzetntisch als auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl für neue Gespräche plädiert. Leitl sagte: "Streik löst keine Probleme." Man sollte wieder zusammen finden: "Durchs Reden kommen die Leute zusammen." Verzetnitsch meinte, er gehe davon aus, dass die nächsten Stunden und Tage genützt werden und die Regierung das Gesprächsangebot der Gewerkschaft annimmt.
Der ÖGB-Präsident forderte dabei aber die Regierung auf, echte Verhandlungen zu führen und von ihrem "Diktat" abzurücken. Bisher habe die Regierung nur gesagt, an den Eckpunkten der geplanten Reform sei nicht zu rüttlen. Deshalb seien die Besitzstandswahrer auch auf Seiten der Regierung und nicht der Gewerkschaft zu suchen. Die Eisenbahner seien für Reformen, das hätten sie auch schriftlich dokumentiert. Es gebe ein schriftliches Angebot der Gewerkschaft, sagte Verzetnitsch. Dass die Gewerkschaften zu einer außerparlamentarischen Opposition würden, wies der ÖGB-Präsident zurück. Die Gewerkschaften seien "kein Ersatz für politischen Parteien".
Über 4.000 Züge ausgefallen
Laut Bahn sind mehr als 4.000 Züge ausgefallen, von den Protesten waren mehrere hunderttausend Fahrgäste betroffen. Das befürchtete Verkehrschaos ist allerdings ausgeblieben. Auch in der Wirtschaft dürfte sich der Schaden laut Industriellenvereinigung (IV) in Grenzen gehalten haben. In den Schulen hingegen war bereits der Warnstreik teilweise deutlich spürbar: In manchen Schulen sind bis zu 40 Prozent der Schüler fern geblieben.
Am Nachmittag hat sich der Verkehr dann fast wieder auf normales Niveau eingependelt, sagte ÖBB-Sprecherin Anita Resch auf APA-Anfrage. Unregelmäßigkeiten gab es noch in der Ostregion im S-Bahnverkehr und bei Fernzügen, die einfach zu spät losgefahren waren.
ÖBB-Führung: 2,3 Millionen Euro Schaden
Den Schaden für das Unternehmen durch den halbtägigen Warnstreik beziffert die ÖBB-Führung nach ersten Schätzungen mit 2,3 Mio. Euro. Schadenersatzforderungen an die Gewerkschaft schließt die Unternehmensführung nicht aus. Für einbehaltene Gehälter in Höhe von rund 2,8 Mio. Euro während der Streikzeit wird zu 50 bis 60 Prozent der Streikfonds des ÖGB einspringen.
Kaum Chaos auf den Straßen, verwaiste Bahnhöfe
Wesentlich ruhiger als sonst war es auf den Bahnhöfen - meist sehr zum Leidwesen der dort ansässigen Geschäftsleute. Ob Wien oder Salzburg - vor allem bei ausländischen Fahrgästen herrschte mangels Information Verärgerung über den Streik.
Keine Probleme wurden aus dem Westen gemeldet. Bei der Autobahnausfahrt Innsbruck-West bildete sich in Richtung Stadtzentrum eine Kolonne. Offenbar waren vermehrt Pendler auf Privat-Pkw umgestiegen. Aus Salzburg wurden keine ungewöhnlichen Staus gemeldet, lediglich bei Eugendorf gab es den üblichen Morgenstau. "Geordnet" und ohne Zwischenfälle verlief nach Auskunft der Gewerkschaft der Streik in Oberösterreich. Das befürchtete Verkehrschaos blieb auch hier weitgehend aus. Die Autofahrer mutierten offensichtlich zu "Frühaufstehern".
Ruhe herrschte auf den niederösterreichischen Bahnhöfen wie in St. Pölten, Korneuburg und Klosterneuburg-Weidling. Ähnliches wurde vom Grazer Hauptbahnhof vermeldet, wo Geschäftsleute teilweise in der Früh wieder zusperrten. Immerhin hatten Touristen dort die Gelegenheit, die Deckeninstallation von Peter Kogler zu bewundern.
(APA/red)
Cannes21:21
Zweite Goldene PalmeMichael Haneke gewinnt mit "Amour" den Hauptpreis bei den Filmfestspielen
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben
