Freitag, 31. Oktober 2003

Böhler-Boss Raidl in FORMAT: Die Flucht vor dem Staat

  • "In schlechten Zeiten würde der Staat uns wieder dreinreden"
  • Privatisierung: Böhler-Uddeholm-Börsegang oder Billa-Investment

Einen seiner raren Urlaube verbringt Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl in Ägypten. Er zieht mit einem der profundesten Ägypten-Kenner Österreichs durch die Wüste und besichtigt unverfälschte Pharaonen-Gräber. Über die in Wien laufenden Vorbereitungen, den Böhler-Miteigentümer "Staat" endgültig in die Wüste zu schicken, freut er sich. Raidl kriegt, wofür er Jahre gekämpft hat: Den totalen Rückzug des Staates.

Am 4. November legt der ÖIAG-Vorstand dem Aufsichtsrat das Privatisierungskonzept vor. Bis Ende November ist das 25-Prozent-Paket des Staates verkauft.

Der schillernde Böhler-General gehört zu denen, die am lautesten sagen, dass der Staat ein schlechter Unternehmer ist. Sein Kommentar zum baldigen ÖIAG-Abschied: "In guten Zeiten habe ich kein Problem. Aber wenn es schiweriger wird, wenn wir in Kapfenberg Leute reduzieren müssen, dann habe ich Angst, dass wieder dreingeredet würde. Dann kommt die Forderung, nix in Schweden, sondern in Kapfenberg zu investieren. Ich weiß das. Ich habe alles erlebt."

Böhler-Uddeholm hat auch vorgebaut, dass es von Seiten Waltraud Klasnics nicht zu einer steirischen Anti-Privatisierungs-Offensive kommt wie bie der voest in Oberösterreich. Der gestandene ÖVPler Claus Raidl hat rechtzeitig seine Parteikontakte spielen lassen.

Und als Vorsitzender einer VP-Arbeitsgruppe präsentiert er Kanzler Schüssel gleich am 14. November ein neues Wirtschaftsprogramm. Schwerpunkte: KöSt-Senkung auf 29 Prozent, allgemeine Steuersenkung, Forschung & Entwicklung - sowie Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer.

Ob er bei Letzterem an sich selbst denkt? Denn bei Böhler würde er nach Ablauf seines Vertrages Ende 2005 noch einmal verlängern. "Wenn der Aufsichtsrat das will."

31.10.2003 11:49