Donnerstag, 30. Oktober 2003

Yukos: Russland beschlagnahmt Großteil der Aktien!

  • Milliarden-Steuerbetrug? Chodorkowski wurde am 25. Oktober verhaftet
  • Öl-Millionär gilt als Polit-Feind von Präsident Putin

Er gilt als Feind von Präsident Putin und als einer der reichsten Männer Russlands: Der russische Yukos-Chef Michail Chodorkowski. Er wurde am 25. Oktober in einer Kommandoaktion verhaftet. Fünf Tage später beschlagnahmte die russiche Staatsanwaltschaft 61% der Aktien und übernahm somit in einer Art Verstaatlichung die Kontrolle über die Firma.

"Ich kann bestätigen, dass eine Kontrollmehrheit von 61 Prozent beschlagnahmt wurde, auch wenn die Besitzer dieser Aktien weiter ihre Stimm- und Dividendenrechte behalten", sagte ein Yukos-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die vom Staat kontrollierten Aktien gehörten dem festgenommenen Firmenchef und engen Vertrauten. Mittlerweile wurden 4,5 Prozent der Aktien wieder freigegeben, da sich deren Besitzer nicht strafbar gemacht hätten.


Chodorkowski wurde in einer dramatischen Aktion verhaftet: Bei einem Zwischenstopp mit seinem Privatflugzeug in Sibirien stürmte eine Eliteeinheit aufs Rollfeld. Der Geschäftsmann wurde wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betrugs festgenommen.

In Medien wurde darüber spekuliert, ob die Aktion auch im Zusammenhang mit Chodorkowskis Unterstützung politischer Gegner von Präsident Wladimir Putin stehen könnte. Der 40-Jährige hatte zudem selbst politische Ambitionen erkennen lassen. Die Festnahme des Ölmagnaten hatte auch an den Finanzmärkten Ängste vor einer Wiederverstaatlichung der Anfang der neunziger Jahre privatisierten Unternehmen in Russland ausgelöst. Die Kurse an den Börsen des Landes waren wegen dieser Verunsicherung eingebrochen.

Yukos war bereits vor Monaten ins Visier der Justiz geraten, die Privatisierungsgeschäfte aus den 90er Jahren untersucht, durch die Chodorkowski und andere Industriemagnaten zu großen Vermögen kamen. (APA, red)

30.10.2003 16:45