Montag, 27. Oktober 2003

Reichster Mann Russlands in Haft: Yukos-Aktien & Index stürzen ab!

  • Panikverkäufe - Putin warnt vor Börsen-Hysterie. Präsident weigert sich, Causa Chodorkowski zu diskutieren

Die spektakuläre Verhaftung des russischen Yukos-Chefs Michail Chodorkowski hat am Montag an der Moskauer Börse einen Kurssturz ausgelöst. Nicht nur die Aktie von Yukos, dem größten Ölunternehmen des Landes, sondern auch der Aktienindex RTS brachen ein. Putin warnte vor einer Panik; eine Debatte über sein Vorgehen gegen den Oligarchen lehnte er aber ab.

Der Handel mit dem Yukos-Papier wurde am Morgen für eine Stunde ausgesetzt, nachdem der Kurs um fast zwanzig Prozent abgesackt war. Der Aktienindex RTS stand am frühen Nachmittag mit mehr als 14 Prozent im Minus. Analysten werteten die Verhaftung Chodorkowskis als Rückschlag für die wirtschaftliche Entwickung in Russland.

Yukos sollte demnächst mit dem bisherigen Konkurrenten Sibneft fusionieren; das neue Unternehmen wird dann der viert größte private Öl- und Gasproduzent weltweit sein.

Yukos galt bisher als eines der Lieblingsunternehmen ausländischer Investoren. Es stand zudem in Verhandlungen sowohl mit dem US-Konzern ExxonMobil als auch mit ChevronTexaco über einen Einstieg. Die Verhandlungen wurden jetzt jedoch gestoppt.

Kapitalflucht vor Verstaatlichungen?
Analysten fürchten nach der Verhaftung von Chodorkowski nun eine Kapitalflucht aus Russland. Sie äußerten den Verdacht, dass es sich um einen politisch motivierten Schritt gegen den reichsten Mann Russlands handeln könne. "Investitionen und Wachstum könnten letztlich untergraben werden, wenn die politische Krise nicht unter Kontrolle gebracht wird."

Putin lehnt Debatten ab
Putin lehnte eine Anfrage von Geschäftsleuten und Politikern ab, die mit ihm über die Affäre um den Chef des Ölkonzerns und die Rolle der Behörden sprechen wollten. Er habe auch der Regierung nahegelegt, sich aus der Diskussion herauszuhalten, sagte Putin der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Es werde keine Diskussionen über die Strafverfolger geben, wenn diese "im Einklang mit dem russischen Gesetz" handelten.

Chodorkowski, dessen Privatvermögen auf rund 6,7 Milliarden Euro geschätzt wird, war am Wochenende nach monatelangem Streit mit dem Kreml wegen massiven Betrugs angeklagt und verhaftet worden.

USA besorgt
Die USA zeigten sich besorgt über die Verhaftung Chodorkowskis. "Ich denke, dass nach diesen Ereignissen die Zweifel bei ausländischen Unternehmen wachsen, die auf dem russischen Markt arbeiten, sowie bei möglichen Investoren", sagte der US-Botschafter in Russland.
(APA, red)

27.10.2003 10:07