Sonntag, 2. November 2003

Italiens Armee: Rom will auch Immigranten rekrutieren

  • Verteidigungs-Ministerium will schwache Geburtenzahlen und Wehrpflicht-Abschaffung ausgleichen
  • Rechtsparteien sind schockiert

Der italienische Verteidigungsminister Antonio Martino will auch Immigranten die Tore der Militärkarriere öffnen. Laut einem Reformprojekt des italienischen Heeres sollen ab 2005 auch jene Ausländer als Soldaten eingesetzt werden, die einen Italiener als Ahnen vorweisen können. Sie können nach einer Mindestdienstzeit im Heer die italienische Staatsbürgerschaft erhalten.

Der Einsatz von Ausländern ist laut Martino im Hinblick auf den Aufbau eines Heeres aus Berufssoldaten und die Abschaffung der Wehrdienstpflicht ab 2005 notwendig. Die demographische Lage in Italien sei verheerend, der Einsatz von Ausländern notwendig, um ein funktionsfähiges Heer zu garantieren, meinte Martino.

Der Verteidigungsminister, der sich vor wenigen Wochen für die Rekrutierung albanischer Immigranten ausgesprochen hatte, wurde von den Regierungsparteien Lega Nord und Alleanza Nazionale, den Verbündeten von Ministerpräsident Berlusconis im römischen Mitte- Rechts-Kabinett, scharf kritisiert. Die rechtspopulistische Lega Nord, die die Immigration streng regeln will, zeigte sich über die "Zuverlässigkeit" von Legionären skeptisch.

Laut einer Studie des italienischen Verteidigungsinstituts Istrid fehlen in Italien mindestens 10.000 Soldaten. Die seit Jahren stark sinkende Geburtsrate, die Abschaffung der Wehrdienstpflicht ab 2005 sowie das mangelnde Interesse der Jugendlichen für eine Karriere als Berufssoldat droht Italien bald große Schwierigkeiten zu bereiten.
(apa)

2.11.2003 11:05