Samstag, 1. November 2003

Israel: Zehntausende Menschen gedachten Rabin

  • Forderung nach Frieden und Abzug aus besetzten Gebieten
  • Rund 1.500 Polizisten wachten über die Kundgebung

Rund 100.000 Menschen haben am Samstag in Tel Aviv des vor acht Jahren ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Rabin gedacht. Mit Liedern und Ansprachen erinnerten die Menschen an den Regierungschef, der den Friedensprozess im Nahen Osten maßgeblich vorangetrieben hatte. Gerade deswegen war er von einem fanatischen, ultra-nationalistischen Israeli am 4. November 1995 erschossen worden.

In Anspielung auf einen von Israelis und Palästinensern ausgearbeiteten, nicht offiziellen Friedensplan trugen zahlreiche Demonstranten Plakate mit der Aufschrift: "Die Initiative von Genf - eine neue Hoffnung für Frieden". (Die inoffizielle Genfer Friedensinitiative wird von der israelischen Regierung als "Verrat" betrachtet, Anm.)Andere Transparente riefen zu einem Abzug der israelischen Armee aus den Palästinensergebeiten auf.

Die Menge versammelte sich am Samstagabend auf dem Rabin-Platz, wo der Friedensnobelpreisträger ermordet wurde. Rabins Parteifreund und Oppositionsführer Shimon Peres sagte: "Ich werde nur eines sagen: Yitzhak hatte Recht. Seine Mörder taten Unrecht und waren im Unrecht." Peres lobte den palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Korei als "Mann der Tat und des Dialogs". Israel habe in ihm einen Verhandlungspartner, sagte der Vorsitzende der Arbeiterpartei unter dem Applaus seiner Zuhörer.

Über der Kundgebung schwebte ein riesiger Ballon mit der Aufschrift "Wir werden weder vergessen noch vergeben". Auf einem anderen Transparent stand: "Der Rückzug aus den (Palästinenser-) Gebieten wird das Land retten." Rund 1.500 Polizisten wachten über die Kundgebung. Zu der Gedenkveranstaltung hatten die Arbeitspartei und die linksgerichtete Meretz-Partei sowie die Bewegung "Frieden jetzt" aufgerufen.

Rabin hatte Anfang der neunziger Jahre die Friedensverhandlungen mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) begonnen und 1993 das erste Autonomieabkommen mit dem PLO-Chef Yasser Arafat geschlossen.
(apa, red)

1.11.2003 22:39