Freitag, 31. Oktober 2003

Putin räumt im Yukos-Konflikt auf: Kreml-Stabschef entlassen!

  • Woloschin galt als Fürsprecher von Öl-Millionär Chodorkowski
  • Vorgänge sorgen in Russland und international für Unruhe

Die Ereignisse rund um den russischen Ölkonzern Yukos sorgten auch am Freitag sowohl im Land als auch international für Unruhe. Die Nachrichtenagentur Itar-Tass meldete am Freitag, der russische Ministerpräsident Michail Kasjanow habe erklärt, er sei "tief besorgt" über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, eine Kontrollmehrheit an Yukos zu beschlagnahmen.

Mit Sorge über die rechtsstaatliche Ordnung in Russland reagierten auch die USA auf die Verhaftung des Yukos-Chefs Michail Chodorkowski. Die Entwicklung um den Ölkonzern werde in Washington aufmerksam verfolgt, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher, am Donnerstag. Nach der Verhaftung des Yukos- Managers vor einer Woche stellten sich Fragen zur Achtung grundlegender Freiheitsrechte und zur Gerechtigkeit der russischen Justiz, meinte Boucher.

Auch der Abgang von Kreml-Stabschef Alexander Woloschin sorgte am Freitag für Unsicherheit in Moskau. Präsident Wladimir Putin festigte seine Kontrolle im Kreml am Donnerstag mit der Verabschiedung Woloschins, dem letzten bedeutenden Regierungsmitglied aus der Zeit von Boris Jelzin. Zum Nachfolger wurde Woloschins bisheriger Stellvertreter Dmitri Medwedjew ernannt, der auch den Erdgaskonzern Gazprom leitet.

Woloschin, der seit März 1999 im Amt war, soll gegen die Verhaftung Chodorkowskis protestiert und seinen Rücktritt bereits am Samstag eingereicht haben. Chodorkowski, der Oppositionsparteien unterstützt hat, werden Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Woloschins Ausscheiden als Stabschef des Präsidenten dürfte die Geheimdienstfraktion stärken, die Putin aus seiner Zeit als KGB- Mitarbeiter verbunden ist. Nur wenige Stunden vor der Meldung über die Entbindung Woloschins von seinen Pflichten hatte die Staatsanwaltschaft große Teile der Aktien von Yukos eingefroren. Das führte an den russischen Finanzmärkten erneut zu einem Kurseinbruch.

(apa)

31.10.2003 07:28