Italien: Andreotti in letzter Instanz freigesprochen
- Auch keine Verurteilung für Mafia-Boss Gaetano Badalamenti

Das römische Kassationsgericht, die dritte und letzte Instanz im italienischen Justizsystem, hat am Donnerstag den siebenmaligen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Vor einem Jahr war Andreotti vom Berufungsgericht der Stadt Perugia wegen des Mordes an den Journalisten Mino Pecorelli im Jahr 1978 zu 24 Jahren Haft verurteilt worden.
Der Freispruch des Kassationsgericht gilt als letzter Akt im Verfahren, das vor zehn Jahren begonnen hatte. Mit Giulio Andreotti wurde auch der Mafia-Boss Gaetano Badalamenti freigesprochen, der wie der 84-jährige Andreotti im November 2002 zu 24 Jahren Haft verurteilt worden war.
Generalstaatsanwalt Gianfranco Ciani hatte am Mittwoch die Kassationsrichter aufgefordert, die Mordanklage gegen den Senator auf Lebenszeit fallen zu lassen. Es fehle an Beweisen und an einem glaubwürdigen Tatmotiv, warum Andreotti den Mord hätte beauftragen sollen, betonte Ciani.
Wer der eigentliche Mörder Pecorellis war, wird sich vermutlich nie feststellen lassen. Der Chefredakteur der politischen Zeitschrift "Osservatore Politico" war am 20. März 1979 in Rom erschossen worden. Er habe im Zusammenhang mit der Ermordung und der Entführung des Christdemokraten Aldo Moro durch die Roten Brigaden Beweise gegen Andreotti gesammelt, betonten die Ermittler. Moro galt als innerparteilicher Gegenspieler Andreottis. Der christdemokratische Politiker war im vergangenen Mai vom Berufungsgericht Palermos vom Vorwurf der Mafia-Zugehörigkeit freigesprochen worden.
Der Rechtsanwalt Andreottis, Fausto Coppi, begrüßte den Freispruch. In seiner Verteidigungsrede hatte der Rechtsanwalt die "Demütigung" hervorgehoben, die Andreotti seit Beginn der Untersuchung vor zehn Jahren erdulden hatte. Andreotti hatte in seiner römischen Wohnung auf das Urteil des Kassationsgericht gewartet. (apa)
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