Jubiläum: Türkische Republik feiert 80. Geburtstag
- Feierlichkeiten von Laizismus-Streit überschattet
- Islamisten wollen Trennung von Staat & Religion in Frage stellen

Die Türkei begeht am Mittwoch die das Jubiläum zum 80. Jahrestag der Gründung der türkischen Republik. Die Feiern sind aber von einer immer heftig werdenden Debatte um die laizistischen Prinzipien des von Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) gegründeten Staates überschattet.
Staatspräsident Sezer hatte anlässlich der Feierlichkeiten eine deutliche Botschaft an proislamische Kräfte gesandt. Er weigerte sich nämlich, zu einem offiziellen Empfang Mittwoch Abend die Ehefrauen der Abgeordneten der Regierungspartei AKP einzuladen, sollten diese mit Kopftuch erscheinen.
Auch die Ehefrau von Ministerpräsident Erdogan zeigt sich gemäß der islamischen Tradition verschleiert in der Öffentlichkeit. Die Geste von Staatspräsident Sezer löste somit eine heftige Polemik aus. Zahlreiche Abgeordnete schickten ihre Einladungskarten zurück, andere drohten damit, die Veranstaltung zu boykottieren.
Ein öffentliches Auftreten von Frauen mit Kopftuch würde dem laizistischen Staatsgedanken Atatürks diametral widersprechen. Dieser hatte am 29. Oktober 1923 die türkische Republik ausgerufen, die aus den Resten des untergegangenen osmanischen Reiches hervorging. Mit eiserner Hand wandelte Mustafa Kemal, dem später der Ehrentitel Atatürk verliehen wurde, die moslemische Türkei nach westeuropäischem Vorbild in einen streng laizistischen Staat um. Unter anderem wurde die traditionelle islamische Kleidung verboten.
Acht Jahrzehnte lang bildete der Kemalismus die Hauptstütze des politischen Systems in der Türkei. Seit die gemäßigt islamische "Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei" (AKP) im November des Vorjahres bei Parlamentswahlen siegte und die Regierung übernahm, versuchen proislamische Kräfte verstärkt, die Prinzipien des Kemalismus in Frage zu stellen.
(apa)
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