Donnerstag, 30. Oktober 2003

FORMAT zur Steuer-Revolution: ÖVP plant radikalen Umbau des Steuersystems

  • Topverdiener werden Hauptgewinner - Wer wenig verdient, geht leer aus!
  • Letzte Frist für Bagatellsteuern

Radikaler Umbau, niedrigere Steuern, weniger KöSt, teureres Erben: Die "größte Steuerreform der Zweiten Republik", so Finanzminister Karl-Heinz Grasser, umfasst derzeit nicht mehr als zwanzig Seiten. Auf diesem schmalen Platz haben die Experten der ÖVP-Steuerreformgruppe unter Leitung des schwarzen Wirtschaftssprechers Stummvoll ihre Vorschläge an Kanzler Schüssel und Finanzminister Grasser zusammengefasst. Das Papier, das FORMAT in Auszügen exklusiv brachte, ist mit der Steuerreform-Expertengruppe im Finanzministerium akkordiert. Wird es in die Tat umgesetzt, bekommt Österreich ein neues, entrümpeltes Steuersystem.

Denn die Herren Professoren, Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder schlagen nicht nur eine radikale Vereinfachung des Steuersystems vor, sondern legen auch einen Plan für das umfangreichste Entlastungspaket auf den Tisch, das je von einer Regierung in Angriff genommen wurde.

Ein Entlastungspaket, das freilich dem Mittelstand und Unternehmen zugute kommt, nicht dem von FPÖ-Steuerreform-Chefverhandler Jörg Haider vertretenen
"kleinen Mann". "Es ist notwendig, auch die Spitzenverdiener in diesem Land zu entlasten", gibt Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die schwarze Linie vor. Nachsatz: "Aber wir wollen primär den Mittelstand entlasten. Er hat den Großteil des einnahmenseitigen Teils des Konsolidierungsprozesses finanziert und hat sich eine Entlastung mehr als verdient."

Was die Steuerreform 2005 bringt:

  • Drei statt fünf Steuerstufen
    Statt fünf kommen drei neue Stufen mit 20, 30 und 42 Prozent.

  • Senkung der Spitzensteuer
    Spitzenverdiener sollen weniger als 50 Prozent zahlen: 42 Prozent.

  • Senkung der KöSt
    Von 34 auf 29 Prozent. Ab 2007 dann gar auf 25 Prozent.

  • Aus für Bagatellsteuern
    Sektsteuer, Gesellschaftsteuer, Kreditgebühr und Ähnliches fallen.

  • Aus für Steuerausnahmen
    Neue Besteuerung für Überstunden, Sonderausgaben, Dienstwagen.

  • Erbschaftsteuer neu
    Nur noch drei Steuerklassen statt fünf, höhere Steuern für Immobilien.

  • Kinderbetreuung steuerfrei
    Kosten für Kinderbetreuung sollen steuerlich begünstigt werden.

    30.10.2003 19:51