Dienstag, 28. Oktober 2003

Eurofighter-Prüfbericht: Radar-System erkennt richtiges Ziel nicht!

  • Exklusiv: "trend" veröffentlichte deutsche Rechnungshofkritik
  • "Nicht zuverlässiges Gesamtsystem"

"Nicht zuverlässiges Gesamtsystem": Im Prüfbericht des deutschen Rechnungshofes wurde das Eurofighter-Projket generell kritisiert. Das Radarsystem des Kampfjets wurde als nicht akzeptabel beurteilt.

Der "trend" veröffentlicht Ende Oktober 2003 den vollständigen Eurofighter-Bericht. Die Passagen enthüllen enorme technische Mängel. Eine bis dato viel zu wenig beachtete, besondere Schwachstelle des Eurofighters ist das bislang nicht funktionierende Radarsystem. Die Ausführungen des Bundesrechnungshofes sind hier besonders detailreich:

  • "Die Stabilität der Zielverfolgung ist ungenügend und wird durch eigene Manöver und durch Manöver des Ziels noch verschlechtert."

  • "Ein reales Ziel wird vom Radar in ein oder mehrere Scheinziele (Geisterziele) aufgesplittet, die abwandern und dann als gültige Ziele geführt werden. Der Pilot kann somit das echte Ziel nicht von Scheinzielen unterscheiden. Ziele werden als sich entfernend angezeigt, obwohl sie sich nähern. Insbesondere unter Instrumentenflugbedingungen im Verbandsflug wird das Flugsicherheitsrisiko für den Ausbildungsflugbetrieb (...) als nicht akzeptabel bewertet."

    "Nicht zuverlässiges Gesamtsystem"
    Insgesamt zeigte sich für den Bundesrechnungshof eine Vielzahl unterschiedlicher Fehler, was zu folgender Bewertung führte:

  • "Da sich diese genannten Fehler immer wieder häuften, ist von einem nicht zuverlässigen Gesamtsystem auszugehen, zumal es aus Radarsicht uninteressant ist, ob der Attack Computer oder der Nav Computer bzw. das Display und Control System ausgefallen ist oder ein sonstiges anderes, wenn dies letztendlich dazu führt, dass kein Radar verfügbar ist."

    Kritik an Radar bleibt unwidersprochen
    Interessant erscheint, dass der Rechnungshofkritik am fehlerhaften Radar, weit gehend unwidersprochen bleibt. Die Kritiker des Pech-und Pannen-Fliegers erhileten Mitte Oktober sogar Bestätigung, als EADS nach aufgetretenen Problemen ein vorübergehendes Flugverbot für alle gelieferten Eurofighter verhängte, "als reine Vorsichtsmaßnahme", wie der Hersteller verkündete.

    Verteidigungsminister Günther Platter will den brisanten Bericht nicht kommentieren. Eine diesbezügliche Anfrage des Bundesratsabgeordneten Albrecht Konecny (SPÖ) schmetterte er brüsk ab: "Dieser Bericht hat mit unserer Beschaffung nichts zu tun und ist auch nicht nachvollziehbar."

    28.10.2003 18:36