Mittwoch, 22. Oktober 2003

Haider: Sein FP-Coup. Sein Pakt mit Schüssel.

  • Wie Haider seine Partei und die Regierung für Kärnten nützt.

Geheimtreffen. Wie Jörg Haider mit Unterstützung von Schüssel & Co den ungeliebten Herbert Haupt entmachtete.

Geheimplan. Wie Jörg Haider nun alles seinem Wahlsieg am 7. März unterordnen will – auch die gesamte Regierungspolitik.

Es ist Sonntagmittag in Ferlach im Kärntner Rosental – unweit des Bärentals –, als Jörg Haider gerade mit ein paar Freunden in das Gasthaus „zum blauen Affen“ einkehrt und witzelt: „Böse Zungen sagen ja, sie wussten gar nicht, dass der Haider ein Lokal hat.“ Der Mann, der neuerdings wieder mehr auf Kärntner Tracht als auf italienische Designeranzüge setzt, kann zu diesem Zeitpunkt freilich leicht selbstironisch sein, denn er hat allen Grund zum Lachen.

Der Puppenspieler. Immerhin weiß er ja, dass er nur wenige Stunden darauf Kanzler Wolfgang Schüssel – jenen Mann, dem er einst bittere Rache geschworen und mit dem er sich nun längst wieder geeinigt hat – in der Steiermark treffen (siehe Story Seite 17) und dort Herbert Haupts Rücktritt als Vizekanzler besiegeln wird, ganz wie Haider es eben vor zwei Wochen öffentlich gefordert hatte. Und dass dann ganz sicher nicht er als „blauer Affe“ übrig bleiben wird. Denn die „Neuaufstellung des FP-Teams“, wie er sie ultimativ gewünscht hat, ist passiert: Der glücklose Haupt ist als Vizekanzler zurückgetreten und hat als FP-Chef auch noch mit Ursula Haubner, ihres Zeichens Sozialstaatssekretärin und Haiders Schwester, eine geschäftsführende Obfrau zur Seite gestellt bekommen. Die Entmachtung ist perfekt, Haiders Weg zurück an die Parteispitze geebnet.

Der Kärntner Landeshauptmann und ewige blaue Übervater hat sich wieder mal durchgesetzt, hat erneut demonstriert, dass er nach wie vor die Geschicke seiner Partei lenkt und der heimliche Chef der FPÖ ist und bleibt und blaue Machtkämpfe – vielleicht nicht mehr ganz so rasch wie früher, aber eben schlussendlich doch – für sich entscheiden kann. Dass er schlicht auch weiterhin der blaue Puppenspieler ist, der eben jeden Blauen nach seiner Melodie tanzen lassen kann, selbst wenn sie so stur und renitent sein mögen wie der formale FP-Chef Herbert Haupt, der glaubte, wie einst Sancho Pansa, den Kampf gegen die Windmühlen gewinnen zu können, und sich monatelang gegen sein Schicksal gewehrt hatte.

Den kompletten Artikel finden SIe im neuen NEWS
PLUS:
Interview mit Jörg Haider: „Ziel bleibt Steuerreform 2004“
PLUS: FP Inside: Das Protokoll einer Enthauptung
PLUS: Haiders brave Schwester
PLUS: Wie die Chaospartei FPÖ nun saniert werden soll
PLUS: Vp-Neustart ins Blaue
PLUS: Das schwarz-blaue Netzwerk des Hubert Gorbach
PLUS: Was Manager und Politik-Beobachter erwarten

22.10.2003 13:59