Donnerstag, 23. Oktober 2003

Fußball: Bruckmüller und Kerscher im FC-Tirol-Prozess einvernommen

  • Streit um Unterschriften des Tirol-Präsidenten
  • Keine Zusagen an die Spieler

Unter Vorsitz von Johann Bergmann wurde am Donnerstag der Prozess um die Insolvenz des früheren österreichischen Fußball-Meisters FC Tirol und um offene Spielergehälter am Innsbrucker Arbeitsgericht fortgesetzt. Othmar Bruckmüller, der letzte Präsident des Klubs, musste dabei ebenso aussagen wie sein Vorgänger Martin Kerscher. Der Prozess wird im kommenden Jahr fortgesetzt.

Seit September 1999 war Bruckmüller Finanzreferent des Vereins, ab Oktober 2001 übernahm der Oberösterreicher das Präsidentenamt. Wobei Bruckmüller, der nach der Verweigerung der Lizenz für den damaligen regierenden Meister am 18. Juni 2002 den Konkurs für den FC Tirol anmeldete, immer wieder betonte, er habe erst nach einer Sitzung am 29. März 2002 gewusst, wie schlecht es um die Finanzen des Vereins stehe. "Dort sind Dinge aufgetaucht, die ich nicht wusste und nicht wissen konnte. Der Schuldenstand damals betrug rund 120 Millionen Schilling. Wobei das kein Problem gewesen wäre, hätte man die Transferrechte der Spieler und den Werbewert des FC Tirol, der rund 90 Millionen Schilling betrug, gegengerechnet." Bruckmüller attackierte in diesem Zusammenhang Ex-Manager Robert Hochstaffl schwer.

Unterschriften gefälscht?
Bruckmüller betonte vor Gericht, er habe als Präsident und Vorstandsmitglied des FC Tirol nur zwei Verträge (am 8. Mai 2002 die Vertragsverlängerung von Walter Kogler und Alfred Hörtnagl) unterschrieben. Auf Vorhaltungen von Friedrich Gatscha, der die 14 klagenden Ex-Spieler vertritt, es gebe auf weiteren Verträgen und Zusatzvereinbarungen seine Unterschrift, verteidigte sich Bruckmüller vor Gericht: "Ich habe einmal eine Weihnachtskarte unterschrieben, vielleicht wurde sie von dort kopiert und auf den Verträgen eingesetzt." Um die Echtheit dieser Unterschriften zu überprüfen, beantragte der Richter die Original-Verträge, die derzeit beim Finanzamt Innsbruck liegen (gegen den ehemaligen Tirol-Vorstand gibt es auch noch ein Strafverfahren), einzusehen.

100 Mill. Schilling in den Verein gesteckt
Bruckmüller betonte, er habe in all den Jahren rund 100 Millionen Schilling aus seiner eigenen Tasche in den Verein gesteckt. Am 14. Mai 2001 hat Bruckmüller eine Haftungserklärung für den FC Tirol unterschrieben. Diese sollte kurz vor Konkurseröffnung des FC Tirol gezogen werden. "Das ging aber nicht, weil Hochstaffl und Mader zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr im Vorstand waren, die hätte nur ich ziehen können. Noch dazu war diese Haftung eigentlich nur für den Sponsor TIWAG und deren Beraterfirma Price-Waterhouse gedacht", verteidigte sich Bruckmüller.

"Bin nicht Stronach"
Insgesamt fünf Haftungserklärungen hat Bruckmüller unterschrieben. "Aber nur immer zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes", betonte der Ex-Präsident, "nie, um mit diesen Haftungserklärungen irgendwelche offene Spielergehälter abzudecken." Auch Aussagen, er habe im Jänner und im März 2002 Zusagen gemacht, er zahle offene Gehälter aus der eigenen Tasche, stritt Bruckmüller vehement ab. "Ich bin als Sanierer angetreten. Ich bin nicht Langes oder Stronach, um diese Gehälter aus eigener Tasche zu zahlen. Ich habe nur gesagt, wenn ich wieder Geld auftreibe, wird wieder bezahlt."

finanzielle Situation unter Kerscher ernst
Martin Kerscher, der von 1. Mai 1997 bis 1. Oktober 2001 Präsident war, sagte aus, dass die finanzielle Situation seit seinem ersten Tag als Präsident ernst war. "Es gab Schulden, der Wert der Spieler war aber viel höher. Bis kurz vor meinem Ausscheiden war der FC Tirol kein Sanierungsfall." Warum die Spielergehälter in der Saison 2000/01 von kalkulierten 95 Millionen Schilling (6,9 Mio. Euro) auf 150 Millionen (10,9 Mio. Euro) angewachsen sind, kann sich Kerscher nur durch Management-Fehler von Hochstaffl erklären. Als Gründe für seinen Rücktritt nannte Kerscher seine Familie und Druck seitens des Dienstgebers Nike.

Der Prozess wird am 27. Jänner 2004 und am 26. Februar fortgesetzt.

(apa/red)

23.10.2003 13:14