Sonntag, 26. Oktober 2003

Bagdad: Wolfowitz überlebt Attentat unverletzt

  • Raketenangriff auf US-Vizeverteidigungsminister
  • Bush: USA lässt sich nicht einschüchtern

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz ist am Sonntagmorgen einem Angriff auf das Rashid-Hotel in der Innenstadt von Bagdad unverletzt entgangen. Das Hotel wurde gegen 6.10 Uhr von zahlreichen Raketen getroffen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN aus der irakischen Hauptstadt. Beim Anschlag gab es US-Militärberichten zufolge einen Toten US-Soldaten und 15 Verletzte.

Wolfowitz, der sich seit Freitag zu einer dreitiägigen Visite im Irak aufhält, sah sich am Morgen bei einem kurzen Auftritt vor Journalisten in Bagdad außer Stande, für Bagdad Sicherheitsgarantien abzugeben. "Solange es da draußen Kriminelle und Terroristen gibt, solange kann man sich niemals ganz in Sicherheit wiegen", erklärte Wolfowitz.

Der Anschlag erfolgte nach Polizeiangaben mit einem ferngezündeten Raketenwerfer. Ein Kleinlastwagen habe in der Nähe des Hotels beim Tiergarten einen Anhänger abgekoppelt und sei weitergefahren, berichteten irakische Polizisten. Die Insassen des Fahrzeugs hätten dann mit einer Fernzündung den Raketenwerfer auf dem Anhänger in Gang gesetzt.

Die Raketen rissen mindestens acht Löcher in die Wand des Gebäudes, Fensterscheiben gingen in zahlreichen Zimmern zu Bruch. Der größte Schaden entstand zwischen der fünften und achten Etage des 18-geschossigen Gebäudes. US-Truppen riegelten das Gebiet um das Hotel in der Bagdader Innenstadt weiträumig ab.

Seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai ausgerufenen Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak sind mehr als 100 US-Soldaten bei fast täglichen Anschlägen getötet worden. Die USA machen für diese Anhänger Saddams sowie radikale Moslems verantwortlich.

USA nicht eingeschüchtert
Die USA werden sich nach den Worten von US-Präsident George W. Bush im Irak nicht von Angriffen und Attentaten beirren und einschüchtern lassen. Ohne auf den jüngsten Anschlag in Bagdad direkt einzugehen, betonte Bush in seiner sonntäglichen Rundfunkansprache, die USA und ihre Verbündeten würden es nicht zulassen, dass der Irak "jemals wieder Heimstätte für Tyrannei und Terror oder eine Bedrohung für die Welt" sein werde.

"Wir werden geduldig sein und entschlossen", sagte der Präsident. "Nachdem wir den Irak von einem brutalen Tyrannen befreit haben, werden wir zum irakischen Volk stehen, bis das Land mehr Stabilität, Sicherheit und Frieden hat". Bush hob die wachsende Zustimmung in den Vereinten Nationen für den Wiederaufbau im Irak hervor und sprach von der erfreulichen Zunahme finanzieller Hilfe aus aller Welt. Er verwies darauf, dass derzeit neben den US-Truppen 24.000 Soldaten aus 32 Ländern aktiv seien. "Es liegt noch immer ein schweres Stück Arbeit vor uns, denn der Friede im Irak hat auch Feinde", sagte Bush. (APA)

26.10.2003 07:54