Freitag, 24. Oktober 2003

Rückzug: US-Soldaten verlassen Irak frühestens in einem Jahr

  • Powell: Vorher muss eine Verfassung entworfen werden
  • Immer mehr US-Bürger fordern Rückzug der Truppen

Die Vereinigten Staaten werden ihre Truppen nach Einschätzung von US-Außenminister Colin Powell frühestens in einem Jahr aus dem Irak abziehen können. Zunächst müssten die Iraker ihre Verfassung entwerfen, sagte Powell der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Dies könne "mehrere Monate" dauern, "und dann muss es Wahlen geben".

Im Übrigen sei es schwierig zu sagen, wann das Sicherheitsniveau im ganzen Irak "geeignet" sein werde, dass sich das US-Militär zurückziehen könne. Auf jeden Fall werde sich die Sicherheitslage aber verbessern, betonte Powell.

Die USA beharren darauf, dass es im Irak zunächst eine Verfassung und eine gewählte Regierung geben müsse, bevor die US-Zivilverwaltung ihre Verantwortung abgeben könne. Kritiker der US-Politik drängen jedoch darauf, dem Zweistromland zunächst seine Eigenständigkeit zuzugestehen. Deutschland, Frankreich und Russland hatten vor der Verabschiedung der jünsten UN-Resolution zum Irak gefordert, einen Zeitplan für die Übergabe der Souveränität festzulegen.

Inzwischen fordern immer mehr US-Bürger einen Rückzug der Truppen aus dem Irak. Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Studie des Pew-Forschungsinstituts wollen inzwischen schon 39 Prozent der US- Bürger, dass die Truppen so rasch wie möglich heimgeholt werden. Das sind sieben Punkte mehr als im Vormonat. Damit wächst der Druck auf Präsident George W. Bush, einen Zeitrahmen für die Irak-Operation vorzulegen. (apa)

24.10.2003 08:36