Dienstag, 21. Oktober 2003

Nordirischer Friedensprozess stockt schon wieder

  • Trimble: Transparenter Bericht über Entwaffungshandlungen fehlt
  • Blair und Ahern äußerten sich "tief enttäuscht" über Trimble

Nach einem hoffnungsvollen Neuanfang ist der nordirische Friedensprozess am Dienstag schon wieder ins Stocken geraten. Der Protestantenführer David Trimble unterbrach den bis dahin scheinbar reibungslosen Ablauf einer zuvor vereinbarten Serie von gegenseitigen Zugeständnissen zwischen Katholiken und Protestanten.

Er zeigte sich "enttäuscht" über die vorangegangene Entwaffnungsgeste der Terrororganisation IRA. "Wir haben keinen klaren transparenten Bericht von einer einschneidenden Entwaffnungshandlung bekommen", kritisierte er. Bevor sich das nicht geändert habe, werde er den mit der britischen und irischen Regierung vereinbarten Annäherungsprozess nicht fortsetzen.

Der britische Premierminister Blair und der irische Ministerpräsident Ahern äußerten sich tief "enttäuscht" über Trimble. "Ehrlich gesagt, das ist mehr als frustrierend für uns", sagte Blair in Belfast. Man werde die Probleme jetzt so schnell nicht lösen können, es aber in den nächsten Tagen weiter versuchen. Die am Dienstag für den 26. November angesetzten Regionalwahlen in Nordirland würden aber stattfinden, versicherte er.

Er selbst wisse durchaus, in welchem Umfang die IRA abgerüstet habe, dürfe dies aber nach den getroffenen Vereinbarungen nicht sagen. Wenn die Protestanten wüssten, was er wisse, wären sie von der Friedensbereitschaft der IRA überzeugt, sagte Blair. Der Präsident der IRA-nahen Partei Sinn Fein, Gerry Adams, reagierte verbittert auf Trimbles Äußerungen. Man sei jetzt in "ziemlich erheblichen Schwierigkeiten", sagte er.

Am Vormittag hatte noch alles nach einem endgültigen Durchbruch ausgesehen. Die IRA nahm einen Teil ihrer Waffen "außer Gebrauch". Adams stellte die vollständige Entwaffnung der Untergrundarmee in Aussicht, allerdings ohne Fristen zu nennen. (apa, red)

21.10.2003 10:35