Montag, 20. Oktober 2003

"Konsistorium" in Rom: Papst "kreiert" 30 neue Kardinäle ins Amt

  • Weichenstellung für die Wahl des nächsten Papstes
  • Ein weiterer neuer Kardinal verbleibt "in pectore"

Auf dem Petersplatz in Rom hat Papst Johannes Paul II dreißig neue Kardinäle kreiert. Auf den Stufen des Petersdomes überreichte er den Würdenträgern das purpurfarbene Birett. Mit dem neunten Konsistorium im 25-jährigen Pontifikat stieg die Zahl der Mitglieder des Kardinalskollegiums auf 194. Von ihnen haben 135 das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet und sind damit zur Teilnahme an einer Papstwahl im Konklave berechtigt.

Diese 135 Kardinäle wurden bis auf fünf Ausnahmen von Johannes Paul II. kreiert (nur einer, nämlich Kardinal Franz König, noch von dem 1963 verstorbenen Johannes XXIII.)

Johannes Paul II. verlas die Namen der neuen Kardinäle nicht selbst, auch den Text seiner Predigt ließ er verlesen. "Mit der Bereicherung durch neue Mitglieder spiegelt das Kardinalskollegium noch stärker die Vielfalt der Volksgruppen und der Kulturen wider, die die Christenheit kennzeichnet", hieß es in der Predigt. Der gesundheitlich angeschlagene Papst sprach lediglich einige Gebete, wobei seine Stimme stark zitterte.

Die neuen Kardinäle stammen aus allen Teilen der Welt. Unter ihnen ist erstmals ein Ghanese, Erzbischof Peter Kodwo Appiah Turkson. Allerdings ist ein überproportionaler Anteil von Italienern dabei.

Ein Kardinal "in pectore"
Der Papst hatte die Namen der 30 neuen Kardinäle am 28. September bekannt gegeben, mehrere Monate vor dem ursprünglich erwarteten Zeitpunkt. Er berief außerdem einen 31. Kardinal "in pectore", dessen Name geheim blieb.

Dies geschieht in der Regel zum Schutz des jeweiligen Würdenträgers, beispielsweise wenn dieser aus einem Land stammt, in dem die katholische Kirche unterdrückt wird.

Nächster Papst ein Venezianer?
Offen werden nur wenige Kardinäle als Kandidaten gehandelt. Unter ihnen ist - auch wenn keiner wirklich als Favorit gelten kann - Angelo Scola, der Patriarch von Venedig. Aus diesem Amt gingen im 20. Jahrhundert insgesamt drei Päpste (Pius X., Johannes XXIII. und Johannes Paul I.) hervor. Mit der Wahl des gebürtigen Polen Johannes Paul II. war 1978 eine 455-jährige Ära italienischer Päpste zu Ende gegangen.
(apa, red)

20.10.2003 22:25