Montag, 20. Oktober 2003

Flüchtlingstragödie: Bis zu 80 Tote vor Italiens Küste

  • 15 Flüchtlinge wurden lebend, 13 tot von Boot geborgen
  • Überlebende sprechen von wesentlich mehr Toten

Bei einem Flüchtlingsdrama vor der süditalienischen Insel Lampedusa sind nach Behördenangaben mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Überlebende des am Sonntag geborgenen Schiffes berichteten jedoch am Montag, ursprünglich seien etwa 100 Menschen an Bord gewesen. Rettungskräfte hätten bisher nur 15 lebend geborgen. Der Zustand der Überlebenden war nach Angaben der Rettungsmannschaft schlecht.

"Sie hatten Hunger, zitterten vor Kälte und einige fantasierten, als wir sie geborgen haben", sagte ein Rettungshelfer. Das zwölf Meter lange Boot mit illegalen Einwanderern war am Sonntag in der Nähe der Insel Lampedusa südlich von Sizilien entdeckt worden. Das Schiff sei etwa 20 Tage lang im Mittelmeer getrieben. "Wir haben unsere Gefährten, die vor Kälte oder Hunger gestorben sind, ins Meer geworfen", sagte ein Überlebender. Insgesamt sprachen die Betroffenen von bis zu 80 Toten. Ein Behördensprecher erklärte dagegen, es sei noch zu früh, eine endgültige Zahl zu nennen.

Innenminister Pisanu erklärte während eines Treffens im französischen La Baule mit seinen britischen, deutschen, französischen und spanischen Kollegen, dass der Vorfall "schwer auf dem Gewissen Europas" laste. Leider sei dies nur die jüngste Episode einer von der EU ignorierten Tragödie. "Nach unseren Informationen geht die Zahl der seit Anfang des Jahres im Mittelmeer ertrunkenen illegalen Einwanderer in die Hunderte", sagte Pisanu.

(apa)

20.10.2003 07:28