Montag, 20. Oktober 2003

Hubert Gorbach: Sprung an die Spitze geschafft

  • Blitzkarriere im Bund nach Jahren in Vorarlberg
  • Der neue Vizekanzler im Porträt

Infrastrukturminister Hubert Gorbach hat mit seiner Bestellung zum Vizekanzler die Karriere-Schallmauer durchbrochen. Dabei hatte er erst im Februar mit dem Sprung zum Infrastrukturminister endlich den Schritt nach Wien geschafft. Schon Jahre lang war der Langzeit-Chef der Vorarlberger FPÖ für verschiedene bundespolitische Funktionen im Gespräch.

In den siebeneinhalb Monaten seiner bisherigen Regierungsarbeit war Gorbach mit schwierigen Materien konfrontiert: der - von seinen Vorgängern als Verkehrsminister geerbte - Murks mit der Verlängerung des Transit-Vertrages auf EU-Ebene und die umstrittene ÖBB-Reform, bei der sein Staatssekretär Helmut Kukacka (V) keine glückliche Hand gezeigt hat, und Gorbach sich als Krisenmanager zu profilieren versucht.

Bis Herbst 2002 war Gorbach Bundesparteiobmann-Stellvertreter und Vorarlberger FP-Chef. Den jetzigen Karrieresprung hätte damals niemand vorhersagen können: Nach dem Rücktritt von Obfrau und Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer kündigte er nämlich zunächst auch seinen Rückzug aus der Bundespolitik an.

Wenige Tage später revidierte er diese Entscheidung und war als Obmann-Stellvertreter des Kurzzeit-Parteichefkandidaten Jörg Haider vorgesehen. Nach Haiders Rückzieher zog sich Gorbach zunächst nach Vorarlberg zurück.

Nach der Wahl tauchte er in Wien wieder auf - und zwar als Mitglied im Verhandlungsteam der FPÖ. Gorbach galt als deklarierter "Anti-Knittelfelder". Er zählt zum wirtschaftsliberalen Flügel in der FPÖ.

Seit Mai 1992 steht Gorbach als Landesparteiobmann der FPÖ in Vorarlberg vor, im Jahr darauf zog er in die Landesregierung ein. Seine Lebensplanung (Gorbach war Geschäftsführer einer Bäckereimaschinenfirma) sah damals allerdings anders aus. Der Wechsel seines Vorgängers Hans-Dieter Grabher auf den Sessel des Lustenauer Bürgermeisters brachte diese aber durcheinander. Politisch freispielen konnte sich Gorbach allerdings erst, als sich der damalige Klubobmann und Scharfmacher Ewald Stadler in Richtung Nationalrat verabschiedete.

1993 wurde er Landesrat für Straßenbau und Wasserwirtschaft. Unter seiner Leitung gelang es der FPÖ 1994, im Ländle zweitstärkste Partei zu werden. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP 1999 wurde er Landesstatthalter, also Vize-Landeshauptmann.

Gorbach trat wiederholt gegen die Parteilinie auf - etwa als EU-Verfechter vor der Volksabstimmung. In der Amtszeit des Kabinetts Schüssel I spielte er bereits eine wichtige Rolle. Gorbach war Ländervertreter im Koalitionsausschuss. Er folgte in dieser Funktion vor fast genau einem Jahr dem Kärntner Landeshauptmann Haider, der sich aus Protest aus diesem Gremium zurückgezogen hatte.

Hubert Gorbach wurde am 27.Juli 1956 in Frastanz bei Feldkirch geboren. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.
(apa, red)

20.10.2003 16:23