Montag, 20. Oktober 2003

Aus nach 225 Tagen: Herbert Haupt geht als Vizekanzler

Das Aus nach 225 Tagen im Amt: Herbert Haupt ist nicht länger Vizekanzler, bleibt aber FPÖ-Chef. Bereits Tage vor seinem Abgang kursierte die wenig schmeichelhafte Aussage "Ein Nilpferd ist kein Zugpferd" im FPÖ-Parlamentsklub. Auch an der Spitze der Partei soll ihm ein geschäftsführender Bundesparteiobmann zur Seite gestellt werden. Somit hat das massive Pochen Haiders auf "Neuaufstellung" des Regierungsteams Wirkung gezeigt.

Erst Mitte September hat Haupt die Patenschaft für ein Nilpferd-Baby im Tiergarten Schönbrunn übernommen. Die Mitarbeiter seines Büros hätten den Vizekanzler auf seine "frappante Ähnlichkeit" vor allem mit dem breiten Maul von "Kimbuku" aufmerksam gemacht. Das ist der Ursprungs des wenig schmeichelhaften Vergleichs zwischen Nil- und Zugpferd.

Vizekanzler hatte Haupt gar nicht werden wollen. "Ich kenne meine Schuhgröße", lautete sein Kommentar noch vor einem Jahr. Aber die Parteidisziplin siegte. Die FPÖ wurde wieder Regierungspartner der ÖVP, Haupt übernahm am 28. Februar 2003 die Vizekanzlerschaft von Susanne Riess-Passer. Den seit Sommer vorgebrachten "Angeboten" Haiders, ihn zu entlasten, widerstand er zunächst - "in aller Freundschaft" - listig.

Sachpolitisch waren Haupts Wege oft nur schwer nachzuvollziehen. Sein Handling in Sachen Pensionsreform war nicht glücklich, schließlich stammte der Erstentwurf, der von der FPÖ so heftig kritisiert wurde, aus seinem Ressort. Sozialminister bleibt Haupt auch nach seinem Ausscheiden aus der Regierungsspitze.

Der Tierarzt aus Seeboden in Kärnten gilt als langjähriger Weggefährte von Jörg Haider. Nach dem Ausfall von Mathias Reichhold als Parteiobmann und Spitzenkandidat musste Haupt Mitten im Wahlkampf einspringen und die bittere Wahlniederlage am 24. November 2002 einstecken. Trotzdem wurde er im vergangenen Dezember am Parteitag im Salzburg mit überraschend klarer Mehrheit von fast 88 Prozent zum neuen FPÖ-Chef gewählt.

Haupt wurde am 28. September 1947 in Kärnten geboren. Schon von Jugend an war er politisch tätig. Während des Veterinärmedizin-Studiums in Wien heuerte er beim Ring Freiheitlicher Studenten an. 1978 wurde Haupt FP-Bezirksobmann in Spittal/Drau. Den Sprung in den Nationalrat schaffte er 1987, Dritter Präsident des Hauses war er von 1994 bis 1996. Seine Wiederwahl für dieses Amt scheiterte 1996 an der ÖVP, die - wie auch SPÖ und Grüne damals - meinte, Haupts Verteidigung des umstrittenen Auftritt Haiders vor SS-Veteranen mache ihn für dieses Amt ungeeignet.

Einen hervorragenden Ruf auf parlamentarischer Ebene genoss Haupt als langjähriger Sozialsprecher. Wenig überraschend wurde Haupt im Oktober 2000 zum Nachfolger von Elisabeth Sickl als Sozialminister bestimmt. In dieser Funktion fiel der Kärntner oft unglücklich auf, vor allem wenn es um Personalfragen ging. Noch gut in Erinnerung sind seine Kabinettschefin mit dem falschen Magistratitel, Ute Fabel, die Postenschachervorwürfe in der Pensionsversicherungsanstalt um seinen alten Freund Reinhart Gaugg, die höchst umstrittene Bestellung seiner früheren Pressesprecherin Christine Weber zur Leiterin der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung sowie die Hauptverbands-Reform mit der Ablöse von Präsident Hans Sallmutter, die jetzt vom Verfassungsgerichtshof als verfassungswidrig aufgehoben wurde. Erfolge erzielte Haupt in der Behindertenpolitik sowie beim Kindergeld. Am stärksten wirkte er jedoch, wenn es um sein eigentliches Fachgebiet, die Tiermedizin, ging - Stichwort Schweinefleisch-Skandal und BSE-Krise.

Für die Partei stand Haupt jedenfalls immer seinen Mann - trotz seiner Hepatitis C-Erkrankung, die ihm vor allem stimmlich immer wieder Probleme macht. Haupt ist verheiratet. (apa)

20.10.2003 11:26