Freitag, 24. Oktober 2003

Neuer Plan: Schulen sollen Lehrer selbst aussuchen!

  • "Mittleres Management" und "Mentor"-System für Lehrerschaft
  • Lehrer skeptisch: "Wer wird die Entscheidungen treffen?"

Die Schulen sollen sich ihre Lehrer künftig selbst aussuchen können. Das ist einer der Vorschläge der von Bildungsministerin Gehrer eingesetzten Zukunftskommission für das Schulwesen. Im Gegenzug sollen die Pädagogen höhere Anfangsgehälter, leistungsorientierte Vorrückungen und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Schule in eine Art mittleres Management erhalten.

Der Kommission schwebt ein anderes Laufbahnmodell für Lehrpersonen vor. Die einzelnen Schulen würden demnach Stellen ausschreiben, für die sich die Lehrer bewerben müssen. Dabei gebe es keine Anstellungsgarantie für die Pädagogen, so Bildungspsychologin Christiane Spiel, eines der vier Mitglieder der Steuerungsgruppe der Kommission. Die Schulen selbst sollten entscheiden können, welcher Lehrer am Besten zum jeweiligen Schulprogramm passt. Auch eine Trennung von einem Lehrer soll möglich sein.

Die Einführung eines mittleren Managements an den Schulen begründete Spiel mit den fehlenden Karrieremöglichkeiten für Lehrer. Derzeit könnten einige wenige Direktor werden. Ab einem gewissen Alter wolle man aber für Jüngere verantwortlich sein. Daher solle es möglich sein, weniger zu unterrichten und etwa als Mentor für Junglehrer oder "fachspezifischer Koordinator" zu arbeiten.

Einführen will die Kommission auch eine "jahresbezogene Unterrichtszeit". "Wir müssen weg von der Festlegung, wie viele Stunden in der Woche unterrichtet werden muss", so Spiel. Vielmehr solle sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern übers Jahr gerechnet werden - so wäre etwa eine Blockung von Unterricht für Projekte möglich.

Generell will die Kommission mehr Autonomie an den Schulen verankern. Die Schulen selbst sollten mehr selbst gestalten können, der Staat die Ergebnisse kontrollieren, so Spiel.

Lehrer skeptisch
Eher skeptisch stehen Lehrer-Gewerkschafter dem Vorschlag der Zukunftskommission gegenüber, die Personalhoheit über die Pädagogen an die Schulen zu delegieren. "Prinzipiell soll der Direktor natürlich ein Mitspracherecht bei der Anstellung von Lehrern haben", meinte die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik. Allerdings führe die vollständige Übertragung an die Schulen zu größeren Abhängigkeiten gegenüber etwa Eltern.

Der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler, meinte, dass dann Lehrer am Markt "sicher teurer werden müssen".

Zunächst müsse auch festgelegt werden, wer an der Schule die Entscheidung über Anstellung treffe, so Scholik: Der Direktor allein, eine Personalkommission oder auch Vertreter von Eltern und Schülern. Je "näher" die Entscheidung an der Schule sei, desto mehr stelle sich natürlich auch die Frage, welche Zugeständnisse ein Lehrer machen müsse, um an einer bestimmten Schule unterzukommen.
(apa, red)

24.10.2003 12:01