Donnerstag, 23. Oktober 2003

Brutale Schlepper: Sie ketteten Flüchtlinge an die Unterseite von Zügen

  • Gemeinsame Polizei-Razzia: 43 Personen in Österreich und Tschechien verhaftet

Eine internationale Schlepperbande haben Fahnder aus Österreich und Tschechien zerschlagen. Bei abgesprochenen Razzien klickten am Mittwoch für 28 Verdächtige die Handschellen, insgesamt wurden 43 Personen festgenommen. Der Ring soll bis zu 4.000 Personen nach Österreich gebracht haben. Die Ermittler enthüllten auch grausame Details aus der Praxis: So wurden Menschen, die nicht genug Geld für einen halbwegs komfortablen Transport hatte, etwa an die Unterseite von Zügen gekettet!

Die ersten Hinweise auf die Bande kamen von aufmerksamen Grenzgendarmen. Die Kriminalisten in Österreich überwachten 15.000 Telefonate in sieben Sprachen. Dann erfolgte der gemeinsame Zugriff von Beamten des Bundeskriminalamtes, der Kriminalabteilungen Niederösterreich und Burgenland, Wega, Cobra und der Diensthundeabteilung Gänserndorf. Auch in Tschechien und Deutschland kam es zu Hausdurchsuchungen.

Zwölf Personen wurden in Österreich festgenommen (je sechs im Wiener Bereich und in Niederösterreich), 16 in Tschechien. Bei den mutmaßlichen Mitgliedern der Schlepperorganisation handelt es sich um Moldawier, Rumänen, Armenier, Polen, Russen und Tschechen. Illegale Migranten mussten allein für die Weiterfahrt von Österreich in andere EU-Länder bis zu 1.000 Euro bezahlen. Geschleppt wurden sie per Bahn oder Reisebus - teils in menschenunwürdigen Verstecken. Wer nicht genug Geld für einen halbwegs komfortablen Transport hatte, wurde unter anderem an die Unterseite von Zügen gekettet. (apa)

23.10.2003 13:01