Mittwoch, 22. Oktober 2003

Pflegemissstände im Bezirk Korneuburg festgestellt

  • Mitarbeiterin der Landesregierung: "Das war menschenunwürdig"

Bericht über Missstände in Pflegeeinrichtungen reißen nicht ab. Ein privates Heim soll nach Überprüfung durch die zuständigen Mitarbeiter des Landes NÖ am Freitag vergangener Woche als Sozialhilfeeinrichtung geschlossen worden sein.

"Das war menschenunwürdig. Man hat die Patienten in ihren Rechten beschnitten, wo es nur ging", wurde Elisabeth Kapral von der Landesregierung, Abteilung Sanitäts- und Krankenanstaltenrecht (GS4), in der "NÖN" zitiert. Bereits im März sei das Privatheim in Würnitz (Gemeinde Harmannsdorf-Rückersdorf) im Bezirk Korneuburg unter die Lupe genommen worden. Die Betreiber hätten der Aufforderung, Mankos auszugleichen, nicht Folge geleistet.

Dem Bericht zufolge verschlechterte sich der Zustand weiter. Laut Kapral gab es "keinerlei Personal. Eine Bewohnerin war in einem Sechs-Quadratmeter-Zimmer eingesperrt, andere Patienten waren voll bekleidet im Bett fixiert. Es gibt gar kein Notrufsystem und keine Pflegedokumentation. Eine Dame hat vor Schmerzen geweint, sie könne sich gar nichts anderes leisten."

Als Konsequenz der jüngsten Überprüfung wurden Rotkreuz-Transporte zu neuen Heimplätzen organisiert und die Angehörigen der Patienten verständigt. Vier Personen werden nun in Stockerau, Korneuburg und Klosterneuburg versorgt. Die Heimbetreiber, Elfriede und Robert Nowak, wiesen die Vorwürfe laut NÖN zurück: Seit März würden keine Pflegefälle mehr aufgenommen. Eine Bewohnerin sei nur deshalb kurzfristig im Zimmer eingesperrt worden, weil sie mit gewaschenem, nassem Haar in den Garten gehen wollte. Gitter an den Betten hätten nur jene, die sonst hinausfallen würden. Außerdem gebe es ein Notrufsystem, eine Klingel im Bad. (apa)

22.10.2003 13:10