Dienstag, 21. Oktober 2003

Neuer Bischof: Scheuer wird am 14. Dezember geweiht

  • Kardinal Schönborn sieht in Bestellung "positives Signal"
  • Van Staa begrüßt Ernennung Scheuers (Kasten rechts)

Der neu ernannte Diözesanbischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, wird am dritten Adventsonntag, dem 14. Dezember, geweiht. Die feierliche Messe wird sein Vorgänger, der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser, halten. Papst Johannes Paul II. hatte am 21. Oktober im Vatikan die Ernennung von Manfred Scheuer bekannt gegeben.

Für Scheuer hat das Bischofsamt auch eine "politische Seite", erklärte er bei seiner Antrittspressekonferenz am Freitagnachmittag in Innsbruck.

"Ich verstehe mich als politischer Mensch", meinte der 48-jährige Oberösterreicher, der eingangs darauf hinwies, dass er bisher nur wenig Erfahrung im Umgang mit Medienvertretern gehabt habe. Es wäre "fatal", den Glauben auf Innerlichkeit und Privates zu reduzieren, sagte er.

Die Kirche habe sich in Fragen der Menschenrechte, der Embryonenforschung, des Lebensanfangs- und endes oder des Schutzes des Lebensraumes einzubringen. Als eine seiner Hauptaufgaben sah er an, Menschen zu begleiten, "dass sie frei und gelöst sind". Er wolle sich als "Kommunikator" zwischen Gesellschaft und Kirche verstanden wissen, erläuterte Scheuer.

"Das Bischofsamt habe ich nicht gelernt, den Gedanken trage ich auch noch nicht lange mit mir herum", meine der Theologe. Er bat daher um Nachsicht, dass er noch keine "Regierungserklärung" abgeben könne. Außerdem stellte er klar, dass er das Amt nicht von sich aus angestrebt habe. "Wer das tut, kann nicht ganz dicht sein."

"Was lange währt, wird endlich gut", kommentierte Kothgasser die Ernennung von Scheuer, die knapp ein Jahr nach seinem Weggang aus der Diözese erfolgte. Sein Nachfolger habe darin Vorteile, dass er von außen komme und die Dinge objektiv und unvoreingenommen angehen könne. Zufrieden zeigte sich Kothgasser auch darüber, dass mit Scheuer ein Diözesanpriester und nicht ein Ordensbruder zum Bischof geweiht werde. Daneben würden Scheuer auch sein Alter, seine Rom- Erfahrung oder seine Universitätslaufbahn zugute kommen, meinte Kothgasser.

Kardinal Schönborn sieht in der Bestellung ein "positives Signal". Scheuer habe sich intensiv mit den prägenden Gestalten des christlichen Widerstands gegen das NS-Regime befasst. So habe Scheuer das diözesane Seligsprechungs-Verfahren für den Kriegsdienst-Verweigerer Franz Jägerstätter in Linz durchgeführt.

Mit einem herzlichen "Grüß Gott" wandte sich unterdessen Scheuer an "alle Tirolerinnen und Tiroler". "Ich bitte Sie, mich als Bruder anzunehmen. Meinerseits möchte ich einer der Ihren werden", sagte er. Mit Innsbruck sei er durch Freunde aus der Studienzeit, Prägungen durch geistliche Menschen in seiner Ausbildung und nicht zuletzt durch die Liebe zu den Bergen verbunden. (APA/red)

21.10.2003 10:12