Laut Studie: Jeder 50. Pkw-Lenker fährt im "Blindflug"!
- 110.000 Autofahrer in Österreich sehen so schlecht, dass sie eigentlich kein Fahrzeug lenken dürften
Laut Hochrechnungen sind rund 110.000 Pkw-Lenker (2,4 Prozent) in Österreich praktisch im "Blindflug" unterwegs, weil sie bereits sehr schlecht sehen, sagte Augenarzt Martin Emesz vom St. Johanns-Spital in Salzburg am 15. Oktober auf einem Symposion der Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs (ÄKVÖ). Moderne Technologien im Autobau helfen bei der Ausleuchtung der Fahrbahn, durch stabilere Kfz wird aber das Sehfeld eingeschränkt, so die Fachleute.
Grauer oder Grüner Star sowie fortgeschrittene Netzhauterkrankungen können das Sehvermögen soweit senken, dass das Lenken eines Kraftfahrzeuges eigentlich nicht mehr zulässig ist, so Emesz. Das Ergebnis einer Studie, hochgerechnet auf ganz Österreich, ergab, dass etwa 110.000 Fahrer davon betroffen sind.
Oft ist dabei zwar die Sehschärfe noch ausreichend, allerdings ist der Blickwinkel stark eingeengt. Trotz aller Warnungen setzen sich betroffene Patienten regelmäßig hinters Steuer, sagte der Mediziner. Deshalb sei ab etwa dem 50. Lebensjahr eine regelmäßige Augenuntersuchung unbedingt notwendig.
Probleme mit der Sicht kann es auch durch die Konstruktion der Dachsäulen und Kopfstützen geben, erklärte Unfallforscher Ernst Pfleger vom Ludwig Boltzmann Institut für interdisziplinäre Unfallforschung. Beim Abbiegen können Fußgänger und - auf Freilandstraßen - sogar ganze Lkw-Züge von er vordersten Dachstrebe verdeckt werden. Lkw-Lenker wiederum haben praktisch keine Möglichkeit, einen rechts neben dem Schwerfahrzeug fahrenden Pkw zu sehen.
Untersuchungen von Pfleger über die richtige Blicktechnik sind auch in die Ausbildung der Autolenker geflossen, so Norbert Hausherr, Obmann des Fachverbandes der Fahrschulen. "Vor allem Beobachtungsfehler, also falsche Blicktechnik und falsches Einschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeit, sind Hauptursachen von Verkehrsunfällen."
"Das Blickfeld von Kindern ist kleiner als bei Erwachsenen, sie sehen weniger aus den Augenwinkeln", warnte die Burgl Böhs, Expertin für Kinder- und Jugend-Verkehrserziehung beim ÖAMTC. Zudem können die Kids Entfernungen kaum richtig einschätzen. (APA/Red.)
