Mittwoch, 15. Oktober 2003

Sonnyboy im Zwielicht: Der Grasser-Krimi

  • Aufgedeckt: Warum Grasser seine Aktiendeals verheimlichte.
  • Grassers Polit-Sündenregister: Rot-Blau-Grün für U-Ausschuss.

Sonnyboy Unter Druck. Der erfolgsverwöhnte Finanzminister Karl-Heinz Grasser kommt nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen: Wird aus dem Polit-Darling Wolfgang Schüssels nun ein Mühlstein für die schwarz-blaue Koalition?

Er hätte es ja wissen müssen: Alles, was in letzter Zeit für Karl-Heinz Grasser so schön begann wie dieser Herbst, als er das Verdienstkreuz der Republik Österreich entgegennahm, endete in einem Fiasko – das längst in einen Politkrimi, nur vergleichbar dem Fall seines Vorgängers Hannes Androsch, mündet.

Kaum hatte Grasser seinen Orden verliehen bekommen, starteten Grassers politische Quälgeister jedenfalls ihre Herbstoffensive: Nach Homepage-Affäre, Rechnungshof-Prüfberichten über Freunderlwirtschaft und Superhonorare in Grassers Ressort nun auch noch das – Grassers nicht dem Parlament gemeldete Aktienpakete, unter anderem auffällig viel in kanadischen Werten, also aus der Heimat Frank Stro-
nachs, und bei DaimlerChrysler, Hauptaktionär des Eurofighter-Herstellers EADS, flogen fast zeitgleich mit seinem Anteil an der Pleite gegangenen YLine auf.

Und damit beginnt wohl der nächste Akt des Dramas um den einstigen Sonnyboy Grasser, in dem vor allem die Opposition unerbittlich die Regie im Grabenkrieg gegen den vor wenigen
Monaten noch populärsten Politiker Österreichs übernommen hat, weil vor allem Alfred Gusenbauer und Alexander Van der Bellen es als schweren Fehler sehen, den einstigen Shooting Star nicht frontal angegriffen zu haben.

Rot-blau-grüne Front. In einer konzertierten Aktion legten die SP-Mannen Christoph Matznetter und Günther Kräuter sowie die Grün-Politiker Peter Pilz und Werner Kogler an praktisch allen Fronten los. Der Erfolg der Aktion wäre freilich begrenzt, hätte nicht auch noch ein ganz anderer Herr eine Rechnung mit Grasser offen: Jörg Haider, der Grasser nach dessen Wechsel ins Schüssel-Team und dem Wahlsieg der ÖVP inzwischen als „Gift der Koalition“ bezeichnet, spielt immer öfter bei den Oppositionsattacken auf Grasser mit – wie auch weite Teile der FPÖ.
Was der Finanzminister anfangs als „Menschenhatz“, „substanzlosen Angriff“ oder zuletzt als „Luftblase, die sich längst erledigt hat“ weglächeln wollte, wirft längst tiefe und hartnäckige Schatten auf sein Sonnyboy-Image:

  • 72 Prozent der Österreicher halten in der jüngsten NEWS-Gallup-Umfrage Grassers Aussage für „unglaubwürdig“ , dass er „irrtümlich“ gegen das Unvereinbarkeitsgesetz verstoßen hatte und seinen Aktienbesitz nicht dem Parlament gemeldet hatte.

    Die Pilz-Diagnose über den einst in unerreichbaren Umfrage-Höhen schwebenden Grasser „Der Lack ist ab“ dürfte tatsächlich stimmen – wohl weniger wegen der besonders trickreichen Arbeit der Angreifer, sondern weil sich zum Ärger von Grasser-Mentor Wolfgang Schüssel Grasser selbst immer wieder fast um Kopf und Kragen redete:

    Gespött der Medien. Zuletzt, als via NEWS Grassers Beteiligung an der insolventen Internetfirma YLine aufflog: Zunächst verrechnete sich Grasser bei der Bewertung seiner Beteiligung um stolze drei Kommastellen – und machte sich zum Gespött der Medien, die immer vehementer seinen Rücktritt fordern. Dann musste er eingestehen, dass er weltweit Aktien um 131.000 Euro besitzt – ein Umstand, den er dem parlamentarischen Unvereinbarkeitsausschuss laut Gesetz hätte melden müssen. Grassers Ausrede, dass er „falsch beraten“ gewesen sei und nur deshalb gegen ein Gesetz verstoßen habe, sorgte in fast allen Gazetten für nie da gewesene Häme.

    Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
    PLUS: Das Sündenregister des Sonnyboys
    PLUS: U-Ausschuss. Immer mehr FP-Funktionäre dafür.
    PLUS: Stürzt Grasser jetzt über den YLine-Skandal?

    15.10.2003 16:02