Das Wunder Papst - Seine letzte Botschaft
- Gottes Marathon-Mann. Wie der vom Leiden gezeichnete Heilige Vater bis zuletzt für den Frieden auf Erden kämpft.

25 Jahre Johannes Paul II. Vom Leiden gezeichnet, ringt der Papst bis zum letzten Atemzug für den Frieden. Was ihm die Kraft für seinen übermenschlichen Kampf gibt.
Bilanz eines Pontifikats. Kardinal Franz König, Christoph Schönborn und Kurt Krenn ziehen Bilanz über das Lebenswerk des großen Kranken. Plus: die besten Papst-Biografien.
Mühsam ringt der Greis am Fenster des apostolischen Palastes nach Luft, während ein dünner Faden Speichel unkontrolliert aus seinem rechten Mundwinkel rinnt. Mit geschlossenen Augen beginnt er den Satz, der ihm nicht von der Zunge wollte, ein zweites Mal. Die Gläubigen, die zum Angelusgebet auf den Petersplatz gekommen sind, können den Sinn seiner Worte nur erahnen. Zu verstehen ist der Heilige Vater nicht mehr, auch wenn er sich noch so bemüht, das vor ihm liegende Manuskript Wort für Wort vorzutragen.
Immerhin ist herauszuhören, wie der vom Leiden Gezeichnete die Jugend beschwört, an einer neuen, gerechten Welt zu bauen, an einer Welt ohne Unterdrückung und ohne Krieg. Immer wieder fällt das Wort Frieden. Betet für mich, bittet der große kranke Mann mit schwacher Stimme, während er die rechte Hand zitternd zum Segen erhebt. Es lebe der Papst, schallt es euphorisch zurück, als könne der tausendfach bekräftigte Wunsch Unsterblichkeit verleihen.
Unsterblich aber ist selbst der Heilige Vater nicht, wie Kardinal Christoph Schönborn vor kurzem anmerkte. Die Gläubigen wissen: Die Tage des 265. Nachfolgers Petri sind gezählt. Die vom 16. bis 22. Oktober dauernden Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag seines Pontifikats werden als eine Art Abschiedsfest begangen. Manche Würdigungen seiner Leistungen lesen sich wie verfrühte Nachrufe.
Öffentliches Leiden. Johannes Paul II. ist der erste Papst, der aus seinem Gesundheitszustand kein Geheimnis macht, sondern, im Gegenteil, die Öffentlichkeit am Leiden teilhaben lässt:
Wie Jesus auf dem Kreuzweg. Zögernd hat man sich im Vatikan mit der offensiven Informationspolitik abgefunden. Widerwillig nahm man zur Kenntnis, was Meinungsforscher längst herausgefunden hatten: Die mediale Inszenierung von Krankheit und Gebrechlichkeit steigert die Popularität des Heiligen Vaters, der sein Kreuz trägt, wie Jesus es einst getragen hat. Für die Kirche ist die Krankheit des Papstes die erfolgreichste Werbeaktion ihrer Geschichte.
Also hat man sich damit abgefunden, das Befinden des Papstes zum öffentlichen Ereignis zu machen: Die Gläubigen erfahren, dass ihm 1996 ein Darmtumor entfernt wurde. Sie wissen, dass er unter Parkinson leidet, dass er mit schweren Medikamenten behandelt wird, die den Krankheitsverlauf nur verlangsamen können. Und sie wissen über die Symptome Bescheid, die sich im fortgeschrittenen Stadium der heimtückischen Krankheit einstellen: Zittern, unkontrollierte Bewegungen, Schwindel, Schluck- und Sprechbeschwerden, Müdigkeit und Gedächtnisstörungen, die zuletzt in geistigen Verfall münden.
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