Sonntag, 19. Oktober 2003

ÖBB-Proteste: Züge fahren vorerst noch normal!

  • Ab Mittwoch drohen erste Ausfälle in Ostösterreich!
  • Vorm Walde will Boykottierer nicht klagen

Die wegen des laufenden ÖBB-Überstundenboykott erwarteten Zugausfällen diese Woche haben "Verspätung": Derzeit sind noch keine Ausfälle zu erwarten; man rechnet damit, dass der Boykott ab Mittwoch erst spürbar wird. Unterdessen kontert ÖBB-Chef vorm Walde mit weniger Urlaub und Schulungen für seine Mitarbeiter. Von Schadenersatzklagen gegen streikendes Personal will er aber noch nichts wissen.

Zum Unterschied zu den Austrian Airlines, wo von Schadenersatzklage gegen streikende Piloten und die Gewerkschaft die Rede ist, ist im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Reform der ÖBB bei den Bundesbahnen davon keine Rede. "Wir haben zwar bereits prüfen lassen, ob Klagen möglich sind", erklärte Generaldirektor Rüdiger vorm Walde. "Doch das ist rein prophylaktisch erfolgt."

Der ÖBB-General will vorerst einmal abwarten, welche Auswirkungen die Proteste haben. "Dann werden wir weiter sehen", sagte er. Im Momente steuere das Unternehmen der Weigerung der Mitarbeiter, Überstunden zu leisten, damit entgegen, dass weniger Urlaube gewährt werden und Schulungen auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden. "Zunächst ist einmal Augenmaß gefordert", betonte vorm Walde.

Noch keine Zugausfälle zu erwarten
Die Gewerkschaft hatte am Vortag Zugausfällen im Personenverkehr ab Mittwoch und im Güterverkehr ab Montag angekündigt. Aus Sicht der Unternehmensführung lässt sich das noch nicht abschätzen. "Die Protestmaßnahmen der Gewerkschaft sind völlig unwillkürlich und nicht vorhersehbar".

Es würden jetzt zwar erste Überstunden anfallen. Wie viele Eisenbahner dann tatsächlich Überstundenleistungen verweigern würden, sei aber noch nicht absehbar. Ein eigens eingerichteter Krisenstab werde jedenfalls alles unternehmen, um "einen reibungslosen Verkehr zu sichern". Seriös kann dieser Stab laut ÖBB jedoch nur einige Tage voraussagen, ob es zu Zugausfällen kommen werde oder nicht.

Schnellbahnen in Wien betroffen
Fest steht bereits, dass von den Protesten im Personenverkehr vor allem die Schnellbahn im Raum Wien betroffen sein wird. Schon vor genau einem Jahr hatte ein Überstundenboykott der ÖBB-Lokführer zu zahlreichen Ausfällen bei der Schnellbahn geführt. Wie damals wollen die ÖBB auch diesmal Schienenersatzbusse einsetzen. Notfalls sollen kurzfristig Busse angemietet werden.

Über Ausfälle informiert die ÖBB über die Telefonnummer 05-1717 (ohne Vorwahl zum Ortstarif), über die Internet-Seite http://www.oebb.at und direkt auf den Bahnhöfen informiert werden.
(apa, red)

19.10.2003 20:09