Aero Lloyd: Kurzfristig 23 Millionen Euro benötigt
- Insolvenzverwalter hat Arbeit bereits aufgenommen
- Fliegen bleibt auch nach Aero-Lloyd-Pleite günstig
·Aero Lloyd
Mitarbeiter geben Hoffnung nicht auf
Die zahlungsunfähige deutsche Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd braucht nach eigenen Angaben zum Überleben kurzfristig Finanzmittel in Höhe von 23 Millionen Euro. Der Insolvenzverwalter habe seine Arbeit bereits aufgenommen. "Es geht darum, kurzfristig einen Überbrückungskredit in Höhe von 23 Millionen Euro zu bekommen", sagte eine Aero-LLoyd-Sprecherin. In einem zweiten Schritt werde sich Insolvenzverwalter Gerhard Walter um einen neuen Investor bemühen.
Ein erstes Gespräch mit der Bayerischen Landesbank als bisheriger Hauptaktionär (66 Prozent) sei geplant, sagte die Sprecherin. Die BayernLB hatte zuvor überraschend den Sanierungsplan für die verschuldete Airline abgelehnt. Daraufhin hatte die vor knapp 24 Jahren gegründete Aero Lloyd in der Nacht den Flugbetrieb eingestellt. Seither versuchen Reiseveranstalter die betroffenen Urlauber mit anderen Maschinen zu transportieren. Die Ferienfluggesellschaft beschäftigt 1400 Mitarbeiter. Nach Angaben von Aero Lloyd hat das deutsche Luftfahrt-Bundesamt die Betriebsgenehmigung nicht dauerhaft entzogen, sondern lediglich vorübergehend ausgesetzt.
Belegschaft kritisert Bayerische Landesbank
Unterdessen hat die Belegschaft der insolventen Fluggesellschaft Aero Llyod in einem offenen Protestbrief scharfe Kritik am Mehrheitseigner Bayerische Landesbank geübt. Die rund 1.400 Beschäftigten von Aero Lloyd wollen vor dem Hauptgebäude der Bayerischen Landesbank demonstrieren.
Die überraschende Sperrung der Verfügungskredite stelle die Seriosität und Vertragstreue der Bank in Frage, hieß es in einem veröffentlichten Schreiben. Die rund 1.400 Mitarbeiter forderten von dem Geldinstitut sofortige Kredithilfen, um unverzüglich den Flugbetrieb wieder aufnehmen zu können. Zugleich pochten sie auf die Umsetzung des mit der Bank vereinbarten Sanierungsplans und die Einhaltung der vertraglich zugesicherten Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2004.
Sanierungsplan
Nach Angaben aus Unternehmens- und Bankenkreisen sah der Sanierungsplan neben dem kurzfristigen Überbrückungskredit eine Kapitalerhöhung bei Aero Lloyd um 35 Millionen Euro vor. Die Airline ist diesen Angaben zufolge mit rund 100 Millionen Euro verschuldet. Die Sprecherin wollte dies nicht bestätigen. "Zu weiteren Details des Sanierungskonzeptes wollen wir uns derzeit nicht äußern. Aber aus Sicht der Geschäftsführung gibt es gute Chancen für den Weiterbetrieb", fügte sie hinzu. Das deutsche Insolvenzrecht biete dafür gute Möglichkeiten.
Die Zukunft lebt
"Wenn es der Aero Lloyd im Rahmen des Insolvenzverfahrens gelingen würde, sich von ihren Altschulden zu befreien, dann hat die Fluggesellschaft absolut eine Zukunft", sagte die Sprecherin. Die Airline verfüge mit ihren 21 Flugzeugen bei einem Durchschnittsalter von gut drei Jahren über eine der jüngsten Flugflotten auf dem deutschen Markt. Ihre Betriebskosten lägen bei lediglich gut vier Cent pro Sitzplatzkilometer. Dies sei ein Spitzenwert vergleichbar mit den Betriebskosten der irischen Billig-Fluglinie Ryanair.
Fliegen bleibt auch nach Aero-Lloyd-Pleite günstig
Joachim Hunold, Chef von Air Berlin, erwartet von der Pleite der Fluglinie Aero Lloyd keine Entschärfung des Wettbewerbs in der Branche. "Das ist eher eine kleine Atempause. Da der Wettbewerb groß ist, bleibt das Geschäft hart", sagte Hunold. Auch eine Besserung der Preissituation für die Airlines, etwa durch eine neue Verteilung der durch den Wegfall von Aero Lloyd freiwerdenden Kapazitäten, sei nicht in Sicht. Hunold: "Fliegen bleibt preisgünstig, dafür sorgt schon der Wettbewerb."
Weitere Pleiten seien nicht zu erwarten, im so genannten Billigfluggeschäft sei "noch viel Platz". Alle seriösen Prognosen rechneten allein für Deutschland mit einem jährlichen Potenzial zwischen 20 und 40 Millionen Passagieren. "Da derzeit selbst die untere Grenze noch längst nicht erreicht ist, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis es auf diesem Sektor zu einem echten Konsolidierungsprozess kommt", sagte Hunold. (apa/red)
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