ÖBB-Proteste: Mehrheit hält sie für gerechtfertigt
- 52 Prozent vermuten parteipolitische Interessen hinter Reform
- Zwei Drittel skeptisch gegenüber Eingriff in Dienstverträge
·Verzetnitsch
"ÖGB stimmt ÖBB-Reform nicht zu"
·ÖBB-Vorstand
Keine Überstunden? Strafe angedroht!
Die Mehrheit der Österreicher hat - so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungs-Institutes Ifes im Auftrag der Eisenbahner - Verständnis für die Proteste der Eisenbahner gegen die geplante ÖBB-Reform. Rund 60 Prozent halten den gewerkschaftlichen Widerstand für gerechtfertigt. Mit Zugausfällen ist laut ÖBB ab nächster Woche zu rechnen.
Die Regierung kontert mit eigenen Umfragen.
Was die grundsätzliche Beurteilung der ÖBB-Reform betrifft, ist das Meinungsbild gespaltener.
Nach einer OGM-Umfrage im "Format" vergangene Woche halten 55 Prozent die Reform und Umstrukturierung der Bundesbahnen für "notwendig" und nur 29 Prozent für "weniger notwendig". Auch bei Ifes meint man, dass die Leute "einen Reformbedarf bei den ÖBB" sehen.
"Nach den heftigen Debatten um den voestalpine-Verkauf, die Pensionsreform oder die Hauptverbandsreform werden Reformen aber grundsätzlich mit Misstrauen betrachtet".
Nur 30 Prozent glauben an ehrliche Reform
Nur 30 Prozent der Österreicher hielten die ÖBB-Reform für eine Maßnahme zur wirtschaftlichen Absicherung und qualitativen Verbesserung der Bahn. 52 Prozent hingegen meinten, es gehe der Regierung vor allem "um die Durchsetzung parteipolitischer Interessen".
Unter den FPÖ-Anhängern glaubten das sogar 58 Prozent, betont Ifes.
Gleichzeitig meinen aber auch 79 Prozent der Befragten, dass durch die Bahnreform bei den Personalkosten gespart werden soll, und 71 Prozent, dass dadurch das staatliche Budget entlastet wird.
Der geplanten ÖBB-Dienstrechtsreform stehen die Österreicher laut Michenthaler dennoch überraschend kritisch gegenüber. Mehr als zwei Drittel lehnen trotz der heißen Privilegien-Debatte die geplanten Eingriffe in die Dienstverträge der Eisenbahner ab, nur 28 Prozent sind afür.
Es gehe der Bevölkerung offenbar um "das grundsätzliche Prinzip der Rechtssicherheit", wonach "in individuelle Dienstverträge nicht eingegriffen werden sollte", meint Michenthaler.
Regierung kontert
Die Regierung will diese Ergebnisse nicht auf sich sitzen lassen. Sie kontert mit eigenen Umfragen, die eine Mehrheit für die Reformen ergeben.
Zugausfälle vermutlich nächste Woche
Die heimischen Bahnfahrer müssen ab nächster Woche mit Zugausfällen rechnen. Wegen dem bereits seit Anfang vergangener Woche laufenden Überstundenboykott der Eisenbahner erwarten die ÖBB ab kommendem Montag Beeinträchtigungen im Personen- und Güterverkehr. Diese Woche drohen laut ÖBB-Führung noch keine Konsequenzen aus den Protesten. In keinem kritischen Bereich würden derzeit schon Überstunden anfallen, sagt der Sprecher. Die Eisenbahnergewerkschaft hingegen rechnet mit Beeinträchtigungen im Güterverkehr bereits ab Mitte dieser Woche.
(apa, red)
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