Samstag, 18. Oktober 2003

Krise beendet? Boliviens Präsident zurückgetreten

  • Parteiloser Vizepräsident Mesa zum Nachfolger gewählt
  • Hoffnung auf Ende der monatelangen Straßenschlachten

Boliviens Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada ist am Freitag in Reaktion auf massive Demonstrationen gegen seine Wirtschaftspolitik zurückgetreten. In einem Schreiben an den Kongress bot Sanchez de Lozada seinen Rücktritt an. Das Parlament nahm den Rücktritt an und wählte den parteilosen Vizepräsidenten Carlos Mesa zum Nachfolger. Mesa legte dann den Amtseid ab.

Sanchez de Lozada reagierte mit seinem Rücktritt auf die monatelangen Proteste gegen seine als zu liberal empfundene Wirtschaftspolitik. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen von Demonstranten mit Polizei und Armee waren rund 80 Menschen getötet worden.

In der Hauptstadt La Paz feierten bereits vor der offiziellen Bekanntgabe viele Menschen den Rückzug des Präsidenten. "Endlich ist dieser Kriminelle gestürzt", sagte Gewerkschaftsführer Roberto de la Cruz, der den Präsidenten für die bei Demonstrationen getöteten Menschen verantwortlich machte. Zuvor hatten Zehntausende erneut in der Hauptstadt gegen die Wirtschaftspolitik des Präsidenten demonstriert.

Sanchez de Lozada, der Bolivien bereits von 1993 bis 1997 regiert hatte, hatte erst vor 14 Monaten seine zweite Amtszeit begonnen, die noch bis August 2007 gedauert hätte. Als Sanchez de Lozada am 6. August 2002 seinen Amtseid ablegte, hatte er fast ahnungsvoll erklärt: "Wenn wir heute nicht handeln, wenn wir nicht Wirtschaftswachstum schaffen und die, die am wenigsten haben, schützen, ...dann könnte die Verzweiflung die Demokratie in Gefahr bringen."

In Bolivien herrscht große Armut. Viele Menschen müssen in der Woche mit umgerechnet weniger als fünf Euro auskommen. In einigen Regionen haben die Menschen lediglich eine Lebenserwartung von 45 Jahren.

Investitionen bleiben sicher
Boliviens neuer Präsident Carlos Mesa hat zugesichert, die ausländischen Investitionen in seinem Land schützen zu wollen. "Wir müssen sicherstellen, dass die Investitionen in Bolivien dem Investor wie auch dem Land nutzen", sagte Mesa. Was im Freudentaumel etwas untergeht: Diejenigen, die den Aufstand angezettelt haben, sollen gefasst und "der Gerechtigkeit" übergeben werden - das hat der neue Machthaber ebenfalls versprochen.
(APA, red)

18.10.2003 08:34