Mittwoch, 15. Oktober 2003

Umstrittener Urnengang: Präsidenten-Wahl in Aserbaidschan

  • Unregelmäßigkeiten bereits vor Öffnung der Wahllokale
  • Oppositionpolitiker steckte sich aus Protest selbst in Brand!

Überschattet von Vorwürfen des Wahlbetrugs haben die Aserbaidschaner am Mittwoch einen neuen Präsidenten gewählt. Als Favorit für die Nachfolge des scheidenden Staatschefs Haydar Alijew galt dessen Sohn Ilham Alijew (Bild). Internationale Beobachter meldeten bereits vor der Öffnung der Wahllokale am Morgen Unregelmäßigkeiten.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichtete, Polizei oder regierungsnahe Provokateure hätten auf Kundgebungen der Opposition Gewalttätigkeiten ausgelöst. Die Berichterstattung in den Medien sei parteiisch gewesen und Oppositionskandidaten seien eingeschüchtert worden, erklärte die OSZE.

Aus Protest gegen den Verlauf der Wahl steckte sich am Mittwoch ein Beobachter einer Oppositionspartei vor einem Wahllokal in der Region Agdam in Brand. Wie seine Partei Musawat mitteilte, wurde seine Beschwerde abgelehnt, wonach Wähler mehrfach Stimmen abgegeben hätten. Der Mann wurde schwer verletzt.

Der 41-jährige Ilham Alijew sagte bei der Stimmabgabe in der Hauptstadt Baku: "Ich habe für eine glückliche Zukunft für Aserbaidschan gestimmt." Das Land brauche keinen Rückfall in die Vergangenheit, und das Volk begreife das. Einer von Alijews Herausforderern, Musawat-Chef Isar Gambar, warf der Regierung vor, sie arbeite schon am Fälschen des Wahlergebnisses.

Ilham Alijew hat angekündigt, die Politik seines Vaters fortsetzen zu wollen, der seit 1969 an der Spitze des ölreichen Landes stand. Haydar Alijew (80) gab seine Kandidatur zwei Wochen vor dem Wahltermin aus gesundheitlichen Gründen auf. Sein Sohn ist seit August Ministerpräsident.

(apa)

15.10.2003 15:36