Montag, 13. Oktober 2003

Die Devise heißt sparen: Leasing-Dienstwagen statt Stretch-Limousine für Schwarzenegger

  • Statt 30 Mio. Dollar nur mehr 175.000 Dollar Jahres gehalt
  • PLUS: Arnie holt sich zur Hilfe Berater auch aus Florida

Als neue Nummer Eins im Sonnenstaat Kalifornien wird Arnie vor allem rechnen und sich in Bescheidenheit üben müssen. Kalifornien drückt ein Rekordhaushaltsdefizit von rund 38 Milliarden Dollar (32,2 Mrd. Euro). Die klamme Lage der Staatskasse wird sich dabei auch auf Schwarzeneggers Lebensstil auswirken: Als Gouverneur wird er sein bisheriges Luxusleben kaum in der Öffentlichkeit führen können, wenn er zugleich von den Bürgern Sparsamkeit fordern muss. Also heißt es Leasing-Dienstwagen statt Stretch-Limousine!

Mit der nun eingeschlagenen Politikerkarriere entschied sich "Arnie" für ein neues Drehbuch, das sich vom Plot seines bisherigen Lebens in fast jeder Hinsicht unterscheidet. Mit Rekordgagen in Höhe von 30 Millionen Dollar wie für seinen letzten Film "Terminator 3" ist es vorerst vorbei. Als Gouverneur wird sich der Muskelmann aus Österreich mit 175.000 Dollar Jahressalär begnügen
müssen. Auf rund hundert Millionen Dollar wird Schwarzeneggers Vermögen geschätzt, und der selbstauferlegte Verzicht bei prallgefülltem Portemonnaie dürfte nicht ganz leicht durchzuhalten sein.

Gespart wird an allem
Im kalifornischen Sacramento residieren die Gouverneure seit den Zeiten von Ronald Reagan nicht mehr fürstlich. Reagans Frau und einstige First Lady, Nancy Reagan, verschmähte 1967 die neoklassizistische damalige Residenz. Als Grund nannte sie den ihrer Ansicht nach unzureichenden Brandschutz. Seither mieteten die Gouverneure eher schmucklose Gebäude in den Außenbezirken der Hauptstadt. Gemessen am Palast Schwarzeneggers, der in Los Angeles' Prominentenviertel Beverly Hills ein knapp zwölf Millionen Dollar teures Anwesen sein eigen nennt, sind dies nicht mehr als Hütten.

"In Kalifornien hat ein Gouverneur nicht die vielen Vorteile seines Amtes, die Gouverneure anderer Bundesstaaten haben", sagt der Polizist Tom Marshall, der zu Schwarzeneggers Sicherheitsteam zählt. Aber selbst wenn für den ehemaligen Mister Universum ein Neubau ins Auge gefasst würde, bietet das Leben im rund 600 Kilometer von Los Angeles entfernten Sacramento nichts von den Annehmlichkeiten des glamurösen Lebens inmitten der Stars seiner Heimatstadt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gouverneur sich mit Enthusiasmus in Sacramento ansiedelt", vermutet ein Mitarbeiter aus der Riege des abgewählten Amtsvorgängers Gray Davis von den Demokraten.

Sacramento wirkt neben Hollywood wie ein hässliches Entlein. Für einen, der die Welt im Film schon mehrfach gerettet hat, muss diese Provinz ein Graus sein. Aber kann der neue Gouverneur eines Sonnenstaats, über den sich die dunklen Schatten der Schulden gelegt haben, dem tristen Arbeitsalltag überhaupt entkommen; und wenn, darf er dann seinen sündhaft teuren Gulfstream-Privatjet nutzen?

Es gibt in Kalifornien nicht wenige, die Schwarzenegger einen Sturz aus allen Wolken prophezeien - nicht erst dann, wenn er einmal für einen Flug auf die Cessna seiner Polizei- und Sicherheitskräfte zurückgreifen oder sich wie sein Vorgänger Davis an die Flugzeiten der Gesellschaft Southwest Airlines halten muss. Statt mit Stretch-Limousinen und militärischen Hummer-Geländewagen wird Schwarzeneggers Fuhrpark künftig mit unscheinbareren Gefährten bestückt sein. Davis musste überall sparen und fuhr geleaste Lincolns.

(APA/red)

13.10.2003 14:24