Montag, 13. Oktober 2003

Caritas klagt über Bund: Kirche muss als Notquartier für Asylwerber dienen

  • Bisher in fensterlosen Kellern untergebracht
  • FPÖ fordert restriktiveres Asylgesetz

Die Caritas der Erzdiözese Wien richtet in einer Kirche ein Notquartier für Asylwerber ein. Am Montag Nachmittag sollen rund 50 Männer die Unterkunft in der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Hietzing beziehen. Die Flüchtlinge waren bisher in "absoluten Notquartieren" - etwa in Kellern - untergebracht, hießt es in einer Caritas-Aussendung. Kritik übte die Hilfsorganisation am Bund. Dieser komme seiner Verpflichtung zur Betreuung der Asylwerber nicht nach.

"Wir können nicht mehr, unsere Flüchtlingshäuser sind überfüllt, doch das Innenministerium stellt trotz der klaren Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs (OGH) keine Kapazitäten für die Unterbringung zur Verfügung", betonte der Wiener Caritasdirektor Michael Landau.

Das Innenministerium hat im Oktober 2002 per Erlass Asylwerber aus bestimmten Staaten von der Bundesbetreuung ausgeschlossen. Laut dem von Landau zitierten OGH-Urteil widersprach der Erlass des Ministeriums aber dem Gleichbehandlungsgrundsatz im Bundesbetreuungsgesetz. Nun würde die Caritas seit rund zwei Wochen von den Beamten des Innenministeriums in der Frage der Versorgung von mittellosen und obdachlosen Asylwerbern vertröstet, kritisierte der Wiener Caritasdirektor.

Laut seinen Angaben gibt es nun "keine andere Möglichkeit mehr, als obdachlose Asylwerber in einer Kirche unterzubringen." In der Konzilsgedächtniskirche wurde daher am Montagvormittag mit Unterstützung der Pfarrgemeinde und des Roten Kreuzes ein Notquartier im Kirchenraum eingerichtet. Gegen 13.00 Uhr sollen die ersten Asylwerber das Quartier beziehen.

(apa)

13.10.2003 12:14