Mittwoch, 8. Oktober 2003

Countdown zur Wahl: So erlebte Arnie den Sieg

  • Wie der Österreicher Kalifornien regieren will.
  • Und: Wie er sogar US-Präsident werden könnte!

Es war Schlag acht Uhr abends in Arnold Schwarzeneggers Wahlkampfzentrum in Santa Monica, als dem „Outsider“, wie ihn die Medien bis dahin ein wenig abfällig apostrophierten, die schönste Stunde schlug: Die „Breaking News“ auf CNN verkündeten das ersehnte, in seiner Gewalt dennoch überraschende Ergebnis: „Arnold Schwarzenegger ist gewählter Gouverneur von Kalifornien.“

Die absolute Sensation war perfekt, die Traumkarriere des Österreichers hat alle vorstellbaren Dimensionen gesprengt. Ein Mitkämpfer in seiner Kampagne: „Nun stehen ihm alle Türen offen. Alles ist möglich.“
Zeitgleich im selben Häuserblock, in Schwarzeneggers Stammlokal „Schatzi on Main“: Kaum flimmerte das Triumph-Ergebnis über die Bildschrime, sprangen die Menschen auf. Jubelchoräle wurden skandiert: „Arnold, Arnold.“ Und letztlich: „Arnold for President.“

Gespannte Sekunden.
Wenige Minuten zuvor herrschte noch Hochspannung im schicken „Century Plaza Hotel“ in Los Angeles. Man hätte eine Nadel fallen hören können, als pünktlich um 20 Uhr, unmittelbar nach Schließung der kalifornischen Wahllokale, die erste Hochrechnung auf den TV-Schirmen sichtbar wurde. Nervös hielt die dicht gedrängte Menge aus Fans und Wahlkampfmanagern von „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger ihre „Join Arnold“-Plakate in die Höhe. Ehrengäste konnten noch keine vorgelassen werden, der Andrang war so groß, dass die Feuerwehr, den Zugang sperren musste. Sekunden später war der Triumph drinnen wie draußen dennoch perfekt.

Der Tag hatte für den Kandidaten ohnehin schon strahlend optimistisch begonnen. Um 10 Uhr hatte Schwarzenegger in der Lucas Street im exklusiven Stadtteil Pacific Palisades von L. A. selbst seine Stimme abgegeben. Gemeinsam mit Frau Maria, von der die Anspannung der vergangenen Wochen sichtbar abgefallen war, marschierte er Hand in Hand ins feudale Abstimmungslokal. Wie er sich fühle, erstmals selbst seinen Namen auf einem Stimmzettel zu finden, wollen die Reporter wissen. Arnie, mit gewohnter Ironie: „Ich habe ihn zuerst gar nicht gefunden, musste mich erst durch zehn Seiten durchblättern. Dann habe ich einfach den längsten Namen genommen.“
Bei der Abfahrt müssen ihm seine Bodyguards einen Weg durch die Fotografen freikämpfen. Wie sehr Arnie an diesem Wahltag der unumstrittene Hauptdarsteller ist, zeigt eine kleine Episode: Knapp vor den Schwarzeneggers gibt Starregisseur Sydney Pollack („Out of Africa“) seine Stimme ab. Keiner in der Medienmeute nimmt ihn wahr.

Gegen zwölf Uhr taucht Arnie dann im Café Roma in Beverly Hills auf, wo sich an die zehn seiner besten Freunde versammelt haben. Keiner hier glaubt, dass noch etwas schief gehen könnte. „In den letzten zwei Tagen hat es einen regelrechten Schub gegeben. Ich bin mir 100 prozentig sicher“, sagt er. Und: „Jene, die da zuletzt gegen mich auf die Straße gegangen sind, hätten mich ohnehin nicht gewählt.“

Leichte Mahlzeit.
Arnold bestellt einen Salat und eine große Flasche Mineralwasser. Keinen Kaffee, keine Zigarre. „Vier Kilo hab ich während des Wahlkampfes abgenommen, es war ein perfektes Training in jeder Hinsicht“, sagt er: „Ich hab so viel Erfahrungen gesammelt, mehr kann ein Mensch in so kurzer Zeit nicht lernen und erleben.“

Nach dem Mittagessen zieht er sich mit seiner Familie, seiner
Frau, den beiden Töchtern und den beiden Söhnen zurück. Das Kampagnenteam hat ihm am Wahltag ein paar Stunden zum privaten Ausspannen freigeschaufelt, erzählt Wahlhelferin Michelle Davis.

Die ersten Umfragen.
Dabei bleibt er freilich ständig in touch mit seinem staff. Der versorgt ihn mit guten Nachrichten. Gegen 14 Uhr ist es einigermaßen gesichert, dass die Wahlbeteiligung sehr hoch sein wird. Haben – wie politische Beobachter vorhersagten – Massen von Jungwählern die Wahllokale gestürmt? Vor 17 Uhr kursieren dann Gerüchte über die ersten Exit-Polls. Beruhigend: Der Recall gegen den unbeliebten amtierenden Gouverneur Davis dürfte klar durchgehen, Arnies Vorsprung auf den Zweiten, den Demokraten Bustamante, scheint eindeutig. Erste Schätzungen sprechen von zehn Prozent.

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8.10.2003 18:16