Mittwoch, 8. Oktober 2003

Die FPÖ erhöht die Schlagzahl gegen Ihren Ex-Liebling

  • Haupt fordert von Schüssel die Ablösung des Finanzministers!
  • Wird Grasser der nächste VP-Kanzlerkandidat?

Am Sonntag witterte die Truppe um Herbert Haupt kurzfristig Morgenluft. Denn immerhin hatte es der Herr Vizekanzler ausnahmsweise „in aller Klarheit“ gewagt, den Koalitionspartner frontal zu attackieren.

Der glücklose blaue Parteichef erklärte den „Grasser-Bartenstein-Kurs“ (also den Wirtschaftskurs, den Haupt selbst im Koalitionspakt unterschrieben hatte) für „gescheitert“. Und prompt ereiferten sich Haupt-Vertraute, dass Grasser nun stürzen werde – sämtliche Journalisten wurden mit der vermeintlichen „Frohbotschaft“ gefüttert: Haupt würde sich bei Wolfgang Schüssel „diesmal aber wirklich durchsetzen“ und die Ablösung Grassers erreichen.

Der doppelte Haupt.
Ein Polit-Skalp, den Haupt Jörg Haider und der verärgerten blauen Basis zu Füßen legen wollte. Allein: Weder der Kanzler noch der Betroffene selbst, nämlich Karl-Heinz Grasser, fühlten sich durch Haupts Attacken sonderlich beunruhigt. Im Gegenteil: Via NEWS richtet Grasser dem Vizekanzler drei Tage nach der Rücktrittsaufforderung kühl aus, dass „es beim Herrn Vizekanzler einen Unterschied zwischen dem gibt, was er in den freundschaftlich verlaufenden Gesprächen mit mir sagt, und dem, was er den Medien erzählt. Aber es ist nicht mein Stil, Regierungskollegen etwas über die Medien auszurichten.“ Im Übrigen könne sich die FPÖ praktisch alle ihre Kernforderungen, besonders die Vorziehung einer Steuerreform, abschminken.

FP-Größen gegen Grasser.
Ganz so leicht wie beim Vizekanzler wird es dem einstigen blauen Sonnyboy an allen anderen Fronten freilich nicht fallen, spielend über die geballte Kritik hinwegzutänzeln. Auch wenn Grasser kokett erklärt, dass er „die Aussagen Haiders nicht mehr kommentiert“, so weiß er doch: Die Auseinandersetzung mit gewichtigeren Teilen der FPÖ als Herbert Haupt wird ihm nicht erspart bleiben. Denn seit Jörg Haider via NEWS – „Grasser ist das Gift der Koalition. Er bringt nichts zustande und hinterlässt hinter sich eine Blutspur“ – zum Halali gegen Grasser geblasen hat, erklärten prompt die starken blauen Männer der FPÖ, Dieter Böhmdorfer und Thomas Prinzhorn, die Vorziehung der Steuerreform schlicht zur „Koalitionsfrage“. Prinzhorn meinte gar, dass „die Geduld der FPÖ am Ende“ sei.
Einziger Schönheitsfehler an der Geschichte: Das blaue Kalkül, Grasser so lange zu beschießen, bis der Kanzler seinen „Leihfinanzminister“ des lieben Koalitionsfriedens willen opfert, wird wohl nicht aufgehen – im Gegenteil: Schüssel, ganz Politiker der alten Schule, lässt sich gerade bei Angriffen prinzipiell niemanden herausschießen. Und hält Grasser wohl weiter demonstrativ die Treue.
Wohl auch, weil der Kanzler längst erkannt hat, dass die Kritik an Grasser bloß ein Stellvertreterkrieg ist. Denn wenn die Haider-Truppe in der FPÖ Grasser prügelt, meinen sie immer nur einen: Wolfgang Schüssel – wer, wenn nicht er soll schuld am verlorenen Profil der FPÖ sein?

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Interview mit Karl-Heinz Grasser über seine Kritiker.
PLUS: Peter Pilz fordert Offenlegung von Grassers Aktienkäufen
PLUS: Wie schwarze und blaue Politiker den Grasser-Bartenstein-Kurs sehen.

8.10.2003 16:53