Freitag, 10. Oktober 2003

AUA: Zurück zum Start bei Verhandlungen

  • Streiks vorerst abgebrochen - 41. Gesprächsrunde beginnt nächste Woche
  • AUA: Erneut Passagierrückgang im September

"Zurück zum Start" heißt es bei der heimischen Luftfahrtgruppe Austrian Airlines (AUA). Nach einem 15-stündigen Streik des AUA-Bordpersonals einigten sich Vorstand und Gewerkschaft HTV Mittwoch Abend darauf, die bereits seit mehr als einem Jahr dauernden und bisher erfolglosen Verhandlungen über Sparmaßnahmen im AUA-Flugbetrieb wieder aufzunehmen und bis spätestens 16. November abzuschließen. Verkehrsminister Gorbach sieht in den neuen Verhandlungen einen "Akt der Vernunft" (siehe Kasten rechts)!

Die Gespräche sollen nächste Woche wieder anlaufen, genauer Termin wurde bis dato noch keiner kommuniziert. Für die Dauer der Gespräche sollen alle Kampfmaßnahmen "unterbrochen" bleiben.

"Ruhen" sollen auch die vom Vorstand angekündigten Schadenersatzforderungen gegen Bordbetriebsrat und Gewerkschaft wegen des Streiks am vorigen Samstag und der beiden Warnstreiks im August sowie die Unterlassungsklage wegen der Durchführung der per einstweiliger Verfügung untersagten Betriebsversammlung am vergangenen Samstag. Auch die Entlassungs- und Kündigungsandrohungen wegen Teilnahme an den Streiks, die das AUA-Bordpersonal zuletzt in Rage versetzt hatten, wurden vom Vorstand zurückgenommen.

Der Vorstand stehe dem "Neubeginn optimistisch" gegenüber, sagte AUA-Sprecher Johannes Davoras am Donnerstag zur APA. Auch von Gewerkschaftsseite erwarte man, dass "unprätentiös und professionell" in die Verhandlungen gegangen werde, die ein für beide Seiten und die aktuellen Markterfordernisse "akzeptables" Ergebnis bringen sollten.

Die Stimmung in den verschiedenen Unternehmensbereichen sei durch die Ereignisse der letzten Tage "sicher emotionalisiert", beiden Seiten sei aber der Wunsch nach eine "erfolgreichen Zukunft für alle" gemein, so Davoras. Das AUA-Bodenpersonal hatte gestern 1.600 Unterschriften von Kollegen gegen den Streik des AUA-Bordpersonals gesammelt.

"Wir sind vorsichtig optimistisch für die Verhandlungen", betonte AUA-Bordbetriebsrat Karl Minhard am Donnerstag gegenüber der APA. Die inhaltlichen Themen der neuen Gesprächsrunde - seit Mai 2002 wurden inklusive dem gestrigen achtstündigen Verhandlungsmarathon 40 Gespräche geführt - seien noch "offen", zumal man "von Null" beginnen werde. Die Stimmung im Bordpersonal bezeichnete Minhard heute als "gut". Er sei zuversichtlich, dass die gesamte Belegschaft "professionell genug" sei, die teils gespaltene Haltung im Konzern zu den Streiks der AUA-Piloten "wegzustecken".

Bei den neuen Verhandlungen soll zwar über Sparmaßnahmen, zunächst aber nicht über konkrete Zahlen gesprochen werden. Zuletzt klaffte zwischen den Positionen von Vorstand und Belegschaft eine gewaltige Lücke: Der Bordbetriebsrat wollte - inoffiziellen Informationen zufolge - maximal 20 Mio. Euro Volumen im Jahr zugestehen, der Vorstand pochte aber auf jährlich 30 Mio. Euro bis 2008.

Der AUA sind laut Davoras durch den gestrigen Streik - u.a. durch die Anmietung von 19 Ersatzmaschinen inklusive Crews von Partnerairlines für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs - Kosten "in einer ähnlichen Größenordnung" wie beim Streik am vorigen Samstag entstanden, der einen finanziellen Schaden von 1,755 Mio. Euro verursacht hatte. Inklusive der beiden Warnstreiks am 14. und 22. August haben die vier Streiktage der AUA damit mehr als 4 Mio. Euro gekostet. (apa/red)

10.10.2003 22:15