Freitag, 10. Oktober 2003

Weihnachtsgeld: In vielen deutschen Firmen gefährdet

  • Laut "Bild": Auch HVB kürzt
  • Im Gegenzug keine betriebsbedingten Kündigungen

Angeblich ist die anhaltende Konjunkturschwäche schuld; jedenfalls aber müssen deutsche Arbeitnehmer mit deutlichen Abstrichen beim Weihnachtsgeld rechnen. Einige, wie die Fluggesellschaft DBA, haben das Weihnachtsgeld - bisher ein halbes Monatseinkommen - sogar ganz gestrichen.

Anderenfalls hätte, wie die "Bild"-Zeitung einen Unternehmenssprecher zitiert, ein Drittel der Belegschaft entlassen werden müssen. Dem Blatt zufolge kürzt die Adam Opel AG wie im Vorjahr 30 Prozent vom 13. Monatseinkommen. Die HypoVereinsbank (HVB) streicht den freiwilligen Teil des Weihnachtsgehaltes in Höhe von 25 Prozent.

Eine böse Überraschung dürften auch viele Beschäftigte im Einzelhandel erleben, heißt es in dem Bericht weiter. Tarifexperte Heribert Jöris vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels rechnet damit, dass das übertarifliche Weihnachtsgeld in Problemfeldern wie Textil, Möbel und Supermarkt schrumpft.

Im Baugewerbe wollen die Geschäftsführer kleinerer und mittlerer Unternehmen künftig nicht mehr 55 Prozent eines Monatslohnes, sondern höchstens noch 40 Prozent zahlen, schreibt die Zeitung weiter. Auch in der Schwerindustrie könnten nicht mehr alle Unternehmen das volle Weihnachtsgeld zahlen.

Im Gegenzug wird, so heißt es, auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Vorerst.

Denn eine Folge zeichnet sich schon jetzt ab: Die Angestellten, die weniger oder kein Weihnachtsgeld erhalten, sind - das wird oft übersehen - auch Konsumenten. Sie werden zu Weihnachten wegen ihrer schmaleren Geldbörsen nicht die Geschäfte stürmen. Das wird die Händler überraschen - und dann zu weiteren Sparmaßnahmen führen.
(apa, red)

10.10.2003 08:39