Donnerstag, 9. Oktober 2003

Pensionskassen: Laut Mercer schlecht gemanagt

  • Fehl-Management könnte "Säule" kaputtmachen
  • Kassen wehren sich: Kein Kollaps droht

Das Beraterunternehmen Mercer HR Consulting übt heftige Kritik an der Wirtschaftlichkeit der sieben überbetrieblichen Pensionskassen. Obwohl diese rund drei Viertel des gesamten Pensionskassenvermögens von 8,3 Milliarden Euro verwalten, wird ihnen nicht nur eine zu geringe Eigenkapitalausstattung und mangelnde Transparenz, sondern auch Fehlmanagement bei der Veranlagung der Gelder vorgeworfen. Die Pensionskassen wehren sich.

"Wir müssen aufpassen, dass wir diese Säule nicht kaputt machen", warnte Mercer-Geschäftsführer Kurt Bednar daher am Donnerstag. Durch das schlechte Veranlagungsergebnis werde der Druck auf die Arbeitgeber, freiwillig Nachschüsse zu leisten, immer größer. Der Experte geht davon aus, dass auf Grund des Fehlmanagements und der geringen Finanzkraft mittelfristig nur zwei bis drei Pensionskassen "überleben" werden.

Die ersten Opfer würden die neuen Pensionskassen mit noch geringem Volumen sein. Das Vermögen von Anwartschafts- und Leistungsberechtigten wäre im Falle einer Insolvenz aber nicht gefährdet, es würde von einer anderen Kasse übernommen werden, beruhigte Bednar.

Den Pensionskassen rät der Pensionskassen-Experte "zuerst eine Flurbereinigung" bei sich selber zu machen und etwa die Zahl der Veranlagungs- und Risikogemeinschaften von derzeit über 100 zu verringern.

Mercer wirft den Pensionskassen auch Fehlmanagement bei der Veranlagung der Pensionsgelder vor. Fast alle überbetrieblichen Pensionskassen hätten trotz der schlechten Aktienmarktentwicklung an ihrer "alten" Veranlagungsstrategie aus 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen festgehalten.

Pensionskassen wehren sich
"Wenn Pensionskassen in Studien thematisiert werden, ist das grundsätzlich positiv," so Dr. Fritz Janda, Geschäftsführer des Fachverbandes der Pensionskassen Österreichs. "Aus diesem Grund freut es uns, dass das WIFO eine umfassende Studie zum Thema ‚Die Entwicklung der betrieblichen Altersvorsorge in Österreich‘ präsentieren wird."

Die Pensionskassen haben schon vor Jahren erkannt, wie wichtig gute Kommunikation ist. Durch eine wesentlich verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, zusätzliche Informations veranstaltungen und vielfältige Maßnahmen in den einzelnen Pensionskassen ist hier in den letzten drei Jahren viel geschehen.

Den Österreichischen Pensionskassen eine schlechte Performance in den Jahren 2001 und 2002 vorzuhalten, ist so, als ob man einem Schiff nach einem Sturm wegen einer verbogenen Relingstütze die Seetüchtigkeit abspricht, ohne dabei zu berücksichtigen, dass im selben Sturm andere Schiffe schwer ramponiert wurden.
(apa, red)

9.10.2003 14:59