Sonntag, 12. Oktober 2003

Autorin geehrt: Susan Sontag erhält Friedenspreis

  • Preisverleihung als Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse

Die amerikanische Schriftstellerin und Essayistin Susan Sontag wurde am Sonntag mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die Feierstunde fand in der Frankfurter Paulskirche statt; die Laudatio hielt der Schriftsteller und frühere Theaterintendant Ivan Nagel.

Die Verleihung des Friedenspreises gilt als Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert Die Auszeichnung Sontags wurde von der Jury damit begründet, dass die Autorin in ihrem Werk den Begriff und den Wert der westlichen Kultur untersucht und verteidigt habe.

"Mit großer analytischer Schärfe" habe sie seit den 60er Jahren die Ausprägungen der Alltagskultur und ihre Bedeutung für die Vorstellung von Modernität und Freiheit beschrieben. Sie habe nie das europäische Erbe aus den Augen verloren und sei zu einer Botschafterin zwischen beiden Kontinenten geworden, hieß es. Zu den früheren Preisträgern gehören Astrid Lindgren, Yehudi Menuhin, Siegfried Lenz, Vaclav Havel, Mario Vargas Llosa und Fritz Stern. Im Vorjahr erhielt der nigerianische Schriftsteller Chinua Achebe die Auszeichnung.

"Dieser schreckliche Mann aus Texas"
In ihrer Dankesrede hat Susan Sontag die Abwesenheit des US-Botschafters Daniel Coats bei der Feier in der Frankfurter Paulskirche bedauert. Sie sagte, dass Coats mit seinem Fehlen die ideologische Position der Regierung von George W. Bush bekräftige. Sontag gehört zu den schärfsten Kritikerinnen des US-Einsatzes im Irak und hatte auch auf einer Pressekonferenz am Samstag Kritik an der US-Regierung geübt, die von "Radikalen" der "äußersten Rechten" übernommen worden sei: In den USA gebe es praktisch mit der Republikanischen Partei nur noch ein Einpartei-System, da die Demokraten ein "Ableger" der Republikaner seien. US-Präsident George W. Bush - "dieser schreckliche Mann aus Texas" - habe mit dem seit Jahrzehnten geltenden Grundsatz des Multilateralismus in der US-Außenpolitik gebrochen.

"Diese Regierung hat den 11. September als Gelegenheit benutzt, um die Regeln zu verändern", kritisierte Sontag in der Pressekonferenz und nannte die Wahl des Schauspielers Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur in Kalifornien einen "schlechten Scherz", und "einen Schritt mehr zum Ende der Politik." Schwarzenegger sei wie der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ein Mann, der wegen seines Reichtums und Erfolgs gewählt werde. Zugleich seien beide so dumm, dass sich die Menschen über sie lustig machen könnten.

(apa)

12.10.2003 08:22