Freitag, 10. Oktober 2003

"Wir sind Kirche": Deutsche Gruppe will Papst-Rücktritt

  • "Rückfall in autoritäre Strukturen" konstatiert
  • "Klima lähmender Angst und geistiger Errstarrung"

Eine Woche vor dem 25-jährigen Amtsjubiläum des Papstes hat die deutsche Initiative "Wir sind Kirche" den Rücktritt von Johannes Paul II. gefordert und seine Amtsführung scharf kritisiert. "Der Rücktritt des Papstes wäre ein Zeichen von Weisheit und ein Dienst an der Kirche", teilte die Reformgruppe innerhalb der katholischen Kirche mit. Johannes Paul II. habe während seines Pontifikats "innerkirchlich viele Fenster und Türen zugeschlagen". Es herrsche ein "Klima lähmender Angst und geistiger Erstarrung" in der Kirche.

Mit einem Rücktritt würde der "Vormacht der römischen Kurie Einhalt geboten, die schon seit langem die Gebrechlichkeit des 83- jährigen Papstes ausnutzt, den Kurs der römisch-katholischen Kirche zu bestimmen", hieß es. Wie die Bischöfe und Kardinäle sollte auch der Papst als Bischof von Rom mit spätestens 80 Jahren den Stab an seine Nachfolger weitergeben, was kirchenrechtlich möglich sei. Am 16. Oktober feiert Johannes Paul II. das 25-jährige Jubiläum seiner Amtszeit.

Bei allem Respekt vor der Persönlichkeit und Frömmigkeit dieses Papstes offenbare die bisherige Bilanz dieses "überlangen Pontifikats" eine große Widersprüchlichkeit, kritisierte "Wir sind Kirche". Während Johannes Paul II. im interreligiösen Dialog und in seinem Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit vielbeachtete Zeichen nach außen gesetzt habe, sei innerkirchlich unter seiner Verantwortung ein "völliger Kurswechsel und ein Rückfall in autoritäre Strukturen vollzogen worden".

"Vor allem in der zweiten Hälfte seines Pontifikats erfolgte der Ausbau eines zentralistischen und rigiden Kontrollsystems mit einer Flut von Vorschriften und Verboten, die jedes Leben in der Kirche ersticken", erklärte die Reformgruppe. Beispiele seien das Diskussionsverbot über den Pflichtzölibat, der Versuch, die angebliche Unmöglichkeit der Frauenordination zu dogmatisieren sowie das anti-ökumenische Lehrschreiben "Dominus Jesus". (APA/red)

10.10.2003 13:41