Donnerstag, 9. Oktober 2003

Unglaublich: Katholische Kirchen verstärken Opposition gegen Kondome

  • Verhindern angeblich Aids-Übertragung nicht
  • WHO: Gefährliche Sichtweise

Kaum zu glauben: Katholische Kirchen in einigen der am schlimmsten von der Immunschwächekrankheit Aids heimgesuchten Regionen der Welt haben nach Angaben des britischen TV-Senders BBC ihre Opposition gegen den Gebrauch von Kondomen verstärkt und damit Widerspruch der Weltgesundheitsorganisation WHO geweckt.

Die Kirchen behaupten, Kondome verhinderten nicht die Übertragung der Krankheit, sagte BBC-Reporter Steve Bradshaw, dessen Beitrag am Samstag unter dem Titel "Sex and the Holy City" von dem Sender ausgestrahlt werden soll. Wenn nicht absolut garantiert werden könne, dass Spermien durch Kondome zurückgehalten würden, dann bestünden noch geringere Chancen, damit das viel kleinere Virus zu stoppen, argumentierten die Kirchen. Die Römisch-katholische Kirche lehnt jede Form der künstlichen Empfängnisverhütung ab, insbesondere Kondome, weil damit nach ihrer Meinung die sexuelle Freizügigkeit gefördert wird.

Ihre traditionelle Opposition gegen die Verhütung wird dem Sender zufolge jetzt mit Behauptungen über die Wirksamkeit von Kondomen untermauert. "Das Aids-Virus ist 450 mal kleiner als das Spermium", sagte Kardinal Alfonso Lopez Trujillo, der zugleich Präsident des päpstlichen Rates für die Familie ist. "Das Spermium kann leicht durch das vom Kondom gebildete Netz schlüpfen", erklärte er. Der Erzbischof von Nairobi, Raphael Ndingi Nzeki fügte hinzu: "Aids hat sich durch die Verfügbarkeit von Kondomen so schnell verbreitet.

Die WHO wies die Sicht der Katholischen Kirche zurück. "Diese falschen Erklärungen über Kondome und HIV sind gefährlich angesichts der weltweiten Verbreitung der Krankheit, die bereits mehr als 20 Millionen Menschen getötet und derzeit mindestens 42 Millionen infiziert hat", erklärte die WHO. Kondome reduzierten das Infektionsrisiko um 90 Prozent, teilte die Genfer Behörde ergänzend mit. (apa)

9.10.2003 22:24