Donnerstag, 9. Oktober 2003

Fast 80 Opfer bei Kämpfen in Nordafghanistan

  • US-Armee: Wenn notwendig werden internaitonale Koalitionstruppen eingreifen

Bei schweren Gefechten zwischen verfeindeten Milizen in Nordafghanistan sind fast 80 Menschen getötet und verletzt worden. Die Kämpfe zwischen Einheiten des usbekischen Generals General Abdul Rashid Dostum und dem tadschikischen Kriegsherrn Atta Mohammed brachen nach Angaben von Sprechern beider Fraktionen am Mittwoch nahe der Stadt Mazar-i-Sharif aus.

Der afghanische Innenminister Ali Ahmad Jalali wollte noch am Donnerstag zu einer Vermittlungsmission in das Kampfgebiet aufbrechen. "Wenn notwendig" würden internationale Koalitionstruppen eingreifen, um die Auseinandersetzung zu beenden, sagte ein Sprecher der US-Armee.

"Mehr als 70" Anhänger der Tadschiken-Miliz Jamiat-e-Islami von Atta Mohammed seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen oder verwundet worden, teilte dessen Sprecher mit. Dostums Stellvertreter Syjed Nurullah sagte, auf seiner Seite seien drei Männer getötet und sechs verletzt worden. Die Gefechte begannen nach Angaben von Vertretern beider Seiten in der Gegend von Faisabad. Faisabad liegt zwischen Mazar-i-Sharif, das von Jamiat-e-Islami gehalten wird, sowie Shibarghan, wo die von Vize-Verteidigungsminister Dostum geführte Usbeken-Miliz Jumbesch beheimatet ist.

In Mazar-i-Sharif, der größten Stadt Nordafghanistans, zogen in der Nacht Panzer auf. Ein Polizeisprecher sagte, es sei zu befürchten, dass die Kämpfe auch auf die Stadt übergreifen könnten. Die Kämpfe hätten Einfluss auf die Arbeit des von Großbritannien geführten, örtlichen Wiederaufbauteams, sagte ein Sprecher der US-Armee. Notfalls werde die US-Armee eingreifen, um "die Lage unter Kontrolle zu bringen." Die Kämpfe zwischen den verfeindeten Milizen waren ausgebrochen, nachdem zwei von Dostums Kommandanten angeblich am Wochenende von Atta Mohammeds Truppen entführt worden waren.

Beide Milizen streiten seit dem Fall der Taliban mit einer dritten Gruppierung, der von der Hasara-Volksgruppe dominierten Hesb-i-Wahdat, um die Vormacht im Norden des Landes. (apa/red)

9.10.2003 15:28