Dienstag, 7. Oktober 2003

Österreichisch gespeist: So verlebte Arnie den Wahl-Vorabend

  • Lokal-Chef Tremmel für Arnie: "Die Steirer müssen was weiterbringen."

Nicht Hamburger sondern deftige österreichische Spezialitäten standen am Vorabend der historischen "Recall"-Wahl des kalifornischen Gouverneurs am Speisezettel von Arnold Schwarzenegger: Steirischer Salat mit Kürbiskernöl, Rindsgulaschsuppe, Filet Mignon mit Spätzle und Wiener Apfelstrudel ließ sich Schwarzenegger am "Stammtisch" von Freunden in seinem Lokal "Schatzi on Main" schmecken.

Gleichzeitig mit der traditionell jeden ersten Montag im Monat stattfindenden Zigarren-Nacht trafen sich finanzkräftige Unterstützer des Filmstars und Neo-Politikers bei einem Fundraising-Dinner für den Gouverneurswahlkampf. Ab 1.000 Dollar konnten Förderer am Fundraising-Dinner teilnehmen, wer 10.000 Dollar oder mehr für einen Abend locker machte durfte vor dem Abendessen noch bei einem privaten Empfang mit "Arnie" plaudern. Auch eine Foto-Möglichkeit mit Schwarzenegger war für die Groß-Spender eingeplant. Das Zigarren-Dinner blieb jedoch beim regulären Preis von 92 Dollar. "Wir sind ja ein ganz normales Restaurant", betonte Schatzi-Pächter Charly Temmel.

Die Wahlprognose des Grazer Gastronomen für Schwarzenegger: "Er wird's gewinnen." Schwarzenegger sei einfach ein "Erfolgstyp" mit viel Power und Energie, meint Temmel. Im Gegensatz zu anderen Politikern werde er auch umsetzen was er verspreche, zeigte sich der Grazer überzeugt. Schwarzeneggers Popularität bei vielen Kaliforniern sieht Temmel in dessen Charisma begründet. Schwarzenegger sei noch nicht "verdorben", was er sage meine er wirklich so. Auch Bundesländer-Patriotismus schlägt bei Temmel durch: "Die Steirer müssen was weiterbringen."

Der Produzent des Schwarzenegger-Films "Running Man" (1988), Georg Linder, glaubt ebenfalls dass der Filmstar am Dienstag zum neuen kalifornischen Gouverneur gewählt wird. Linder ist Sohn des österreichischen Holocaust-Überlebenden Berthold Linder, der vier Jahre im Konzentrationslager Auschwitz gefangen war und nach dem Krieg in die USA auswanderte. Die Vorwürfe gegen Schwarzenegger wegen angeblicher Hitler-Verehrung bei den Dreharbeiten zum Film "Pumping Iron" kann Linder aus der Erfahrung seiner 20-jährigen Bekanntschaft mit dem Schauspieler nicht nachvollziehen. Schwarzenegger habe seinen vor einigen Jahren verstorbenen Vater gemocht und ihn bei einer Präsentation seines Buches "Verdammt ohne Urteil" besucht. Seine eigene Stimme werde er für Schwarzenegger abgeben, kündigte Linder an.

Auch der österreichische Generalkonsul in Los Angeles, Peter Launsky-Tieffenthal, und der Handelsdelegierte Christian Kügerl waren am Wahl-Vorabend ins "Schatzi" gekommen. Zahlreiche Medienvertreter, Freunde aus dem Filmgeschäft und Touristen stärkten sich noch wenige Stunden vor dem anstrengenden Wahltag. Schwarzenegger wurde nicht von seiner Frau Maria Shriver begleitet, sondern speiste mit 15 Männern und einer Frau an einem langen Tisch, bewacht von streng blickenden Bodyguards. "Das letzte Abendmahl", scherzte ein Korrespondent.

(apa/red

7.10.2003 13:39