Autozukunft aus Österreich: Infineon verlegt seine Autosparte zur Gänze nach Villach
- FORMAT: Europas Nummer 1 bei Halbleitern fürs Auto bringt Forschung, Entwicklung und Marketing nach Kärnten
Der Technologie-Riese Infineon, immerhin Europas Nummer eins bei Halbleitern fürs Auto, verlegt seine Autosparte zur Gänze in sein Villacher Werk. Die Zukunft des Autos wird daher ab sofort in Österreich entwickelt. Dutzende internationale Infineon-Spitzenmanager und -Wissenschaftler siedeln derzeit nach Kärnten.
Mit Ausflügen für die ganze Familie und finanziellen Zuckerln war ihnen das Alpenland zuvor schmackhaft gemacht worden.
Übersiedlungsgrund: Infineon, 5,2 Milliarden Euro Jahresumsatz schwer und Europas Nummer eins bei Halbleitern fürs Auto, verlegt die gesamte Sparte samt Forschung, Entwicklung und Marketing nach Österreich. Die 2.300 Infineon-Mitarbeiter in Villach werden deshalb um hundert gut bezahlte Spezialisten ergänzt, die teilweise neu rekrutiert werden. "Die Zukunft des Autos", freut sich Infineon-Österreich-Chefin Monika Kircher-Kohl, "wird ab jetzt zu einem guten Teil in Österreich entwickelt."
Wie diese Zukunft aussieht, weiß Infineon-Experte Reinhard Ploss: Das Auto erkennt den Fahrer beim Einsteigen und stellt Sitz, Rückspiegel und Radiosender für ihn ein. Unterwegs kommuniziert es selbständig mit anderen Fahrzeugen, ortet Verkehrsstaus frühzeitig und schlägt Ausweichrouten vor. Die kommen nicht mehr von einer CD, sondern über Offboard-Navigationssysteme.
Auch das Fahren in der Nacht wird leichter: Eine Infrarotkamera filmt die Straße und überträgt das Bild, wie alle anderen Anzeigen auch tagsüber, auf die Windschutzscheibe.
Wenig Chancen gibt Ploss der Knüppelschaltung: Sie wird unbequem, sobald der Fahrer in Kurven zur Seite gedrückt wird. Infineon arbeitet an einer elektronischen Verbindung zwischen Lenkrad und Achse: Ohne Lenksäule wird jeder Aufprall weicher.
Autos, die alles selber machen.
Überhaupt wird Autofahren sicherer. Geschwindigkeitsbegrenzungen, künftig vom Verkehrsaufkommen abhängig, werden zu digitalen Anzeigen am Straßenrand und direkt ins Auto gefunkt. Übersieht ein Lenker einen Wagen im toten Winkel, lässt sich das Lenkrad nur unter Protest nach links drehen. Dafür beginnt der Wagen selbst zu bremsen, wenn ein Hindernis gefährlich schnell näher kommt. Im schlimmsten Fall gehen die Außen-Airbags auf, die das Leben von Fußgängern retten können. Auch Parkschäden sind bald Geschichte: BMW und Toyota setzen auf Systeme, bei denen der Wagen die Parklücke vermisst und sich selbst hineinmanövriert.
Über mangelnde Nachfrage wird Infineon auch bei stagnierenden Autoabsätzen nicht klagen. Die Wertschöpfung bei Autoelektronik steigt in den nächsten Jahren von zwölf auf dreißig Prozent.
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