Arnies Endspurt: Schwarzenegger vor dem Ziel
- Gouverneurs-Wahl: Skeptiker laufen in Scharen zu Arnie über
- Im Kampf um Herzen und Stimmen prescht er vor wie Conan
Schwarzenegger vor dem Ziel. Sensationelle Umfrageergebnisse machen den Hollywood-Star zum Favoriten für das Gouverneurs-Amt. Auch Expräsident Bush wirft sich für ihn in die Schlacht
Die Sätze wirken eher mit der Axt gemeißelt als ziseliert. Doch auch das ist Kalkül, so wie alles in diesem Wahlkampf, zu dessen Endspurt der Österreicher Arnold Schwarzenegger eine Art Unwiderstehlichkeit entfaltet, die zuletzt Conan dem Barbaren eigen war. Ich bin eine Art Gouverneur, beginnt er in dem mit 1.500 Jubelamerikanern prall gefüllten Flughangar in Santa Maria, um sich zu korrigieren: Ich werde eine Art Gouverneur sein.
Unerbittlich. Ein Freudscher Versprecher? Oder ein Meisterstück der Suggestion, um dem Wähler subkutan zu vermitteln, dass alles unerbittlich seinen Weg geht? Umfragen bestätigen den von Anfang an demonstrativ zur Schau gestellten Optimismus. Bald könnte der als Filmstar zu Weltruhm gelangte Steiermärker im Partnerlook mit dem wuchtigen Holzschreibtisch im Gouverneursbüro des State House von Sacramento sitzen, ein Kabinett aus zwölf Ministern führen, ein 100-Milliarden-Dollar Budget verwalten, Zehntausende Landesangestellte befehligen, Richter ernennen und über Leben und Tod Verurteilter entscheiden.
Der Steirer hätte damit Geschichte geschrieben: Immerhin hat Kalifornien viereinhalbmal so viele Einwohner wie Österreich und mit einem Bruttosozialprodukt von 1.300 Milliarden Dollar die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Im Umfragehoch. Die größte politische Sensation aller Zeiten ist nach Meldungen des Nachrichtensenders CNN in greifbare Nähe gerückt: eine American Dream-Karriere vom steirischen Thal über die Niederungen einer Kraftkammer in Venice Beach auf das Hochplateau Hollywoods und zuletzt in den Säulendom von Sacramento, himmelhoch über fast 40 Millionen Einwohnern. Nach aktuellen Umfragen wollen 63 Prozent der Kalifornier den amtierenden Gouverneur Gray Davis absetzen und 40 Prozent Schwarzenegger zu seinem Nachfolger wählen. Der mit der Insistenz eines Werbeslogans zum Gouvernator Ausgetrommelte führt damit im Endspurt vor dem Demokraten Cruz Bustamante (25 Prozent) und dem zweiten Republikanerkandidaten, Tom McClintock, der bei 18 Prozent kümmert, nachdem er Schwarzenegger lang zu schaffen gemacht hatte. Die Umfrage verursachte ein Erdbeben, hatten doch zuvor durchgeführte Polls, etwa die der renommierten L. A. Times, einen Politthriller mit nur 52 Prozent für den Davis-Recall und einem Nachfolgerduell mit Bustamante knapp vor Arnold vorhergesagt. Politologen warnen davor, Umfragen blind zu trauen: Durch die Einmaligkeit des Abwahlverfahrens haben es die Meinungsforscher schwerer als sonst, sagt University-of-California-Professorin Lynn Vavreck im Gespräch mit NEWS, deshalb sind die Umfragen so widersprüchlich.
Schwarzenegger gürtet sich in zunehmend martialischerer Pose zum letzten Hauen und Stechen: Das ist ein Kampf Mann gegen Mann, brüllt er in die tobende Halle von Redding, während seine Venen an den Schläfen hervorquellen. Wir sind in den Schützengräben! Das ist Krieg! Mann gegen Mann, das heißt: Schwarzenegger gegen Davis. Die restlichen 133 Kandidaten inklusive Bustamante, McClintock und TV-Kommentatorin Ariana Huffington mimen in Statistenposition zusehends das Kanonenfutter. Arnie gegen Davis: Als Gouverneur terminierte er die Hoffnungen der Menschen, terminierte die Möglichkeiten der Jugend, terminierte die Arbeitsplätze. Es ist Zeit, ihn zu terminieren!
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