Mittwoch, 1. Oktober 2003

Dichand vs. WAZ: Der Psycho-Krieg um die Krone

  • Neue Eskalation im Duell um die „Krone“-Herrschaft
  • PLUS: Das erste Interview mit Dichand junior

WAZ will gerichtlich prüfen lassen, „ob Dichand Geschäftsführer bleiben kann“.
Hans Dichand. Wie er jetzt um seine „Krone“ kämpft. Seine neuen Vorwürfe gegen die WAZ.
Friedrich Dragon. Wie die WAZ Dichand stürzen will. Seine Abrechnung mit dem Ex-Kompagnon.

Die Schlacht um die „Kronen Zeitung“ wird immer brutaler. Sogar in den wichtigsten deutschen Medien von „Spiegel“ bis Focus“, die mittlerweile wöchentlich über den „Krieg der alten Männer“ berichten, richten sich die beiden Hälfteeigentümer des auflagenstärksten Kleinformates, Hans Dichand, 82, und WAZ-Boss Erich Schumann, 73, ihre Kriegserklärungen aus. Jetzt kündigt die WAZ sogar an, Dichands Fähigkeit als Geschäftsführer anzuzweifeln, um ihn so als Hauptgeschäftsführer vom Amt zu entheben.

Die Situation ist so dramatisch, dass erstmals nun auch Dichand-Sohn Christoph, 38, seit Jänner Chefredakteur der „Krone“, in einem NEWS-Exklusivinterview das Wort ergreift. Der Junior, der sich bisher öffentlicher Aussagen enthalten hatte, schlägt einen Börsengang der „Kronen Zeitung“ als Ausweg vor.

Vor Schiedsgericht-Entscheid. Ein unabhängiges Schiedsgericht auf neutralem Schweizer Boden, welches per Statut der Gesellschafter einberufen werden kann, um besonders heikle Streitfragen zu klären, soll nun angerufen werden und die Machtverhältnisse in Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung endgültig regeln. Der Wiener WAZ-Anwalt Daniel Charim: „Wir werden das jetzt wie in einem ordentlichen Gerichtsverfahren durchziehen. Die Vorbereitung zur Bildung des Schiedsgerichts laufen wie geplant.“

Zeithorizont für den Beginn des Verfahrens: die nächsten zwei, drei Wochen.

Die Strategie der WAZ, des fünftgrößten Verlags Deutschlands, ist klar:

  • Sie will die Dichands aus den operativen Funktionen der „Krone“ entfernen. Vor allem Hans Dichand als Hauptgeschäftsführer ist der WAZ ein Dorn im Auge. Denn mit dieser Funktion, die Dichand so lange ausüben kann, solange er dazu fähig ist, hat er das Sagen im Verlag und steht mit seinen Entscheidungen über dem anderen Hälfteeigentümer, der WAZ. Mit dieser Funktion ist für Dichand auch ein Vorabgewinn, der beim Einstieg der WAZ in die „Krone“ vertraglich vereinbart worden war und immerhin über 713.000 Euro monatlich ausmacht, verbunden.

  • Die Funktion des Hauptgeschäftsführers ist allerdings an die Person Hans Dichand gebunden. Er kann keinen Nachfolger einsetzen. Gelingt es der WAZ, ihn abzuberufen, folgen zwei gleichberechtigte Geschäftsführer, die sich in den Entscheidungen einig sein müssen. Dabei ist festgelegt, dass die WAZ einen Geschäftsführer für die Druckerei nominieren kann, Dichand einen für die Redaktion und den Rest des Verlages. (Der Vorabgewinn wäre dann allerdings Geschichte.)

    Die WAZ will zur Durchsetzung ihrer Pläne vor dem Schweizer Schiedsgericht mit schweren Geschützen auffahren. Die Argumente der Hälfteeigentümer:
  • Der jährliche Gewinn der „Krone“ bewegt sich zwar immer noch im zweistelligen Millionenbereich (die WAZ-Seite spricht von 25 Millionen Euro, Dichand von 30 Millionen), aber deutlich unter den Werten zu Glanzzeiten der „Krone“.

  • In Essen, dem Sitz der WAZ, traut man Christoph Dichand nicht zu, die Zeitung erfolgreich zu führen – außerdem wird ins Treffen geführt, dass Produkt und Team der „Krone“ unter dem Interregnum leiden würden. Tatsächlich berichten Insider von schlechter Stimmung in der Mannschaft und der „Unmöglichkeit, Entscheidungen zu
    treffen“.

  • Schließlich wirft die WAZ Hans Dichand Geschäftsschädigung vor. Wie in der Vorwoche berichtet, hatte Michael Dichand, der älteste Sohn des „Krone“-Gründers, im Interview mit einem Branchenblatt die WAZ der Kooperation mit der kroatischen Mafia beschuldigt. WAZ-Anwalt Charim hatte in einem in NEWS veröffentlichten Brief Dichand aufgefordert, sich von den Aussagen seines Sohnes zu distanzieren. Dieser weigerte sich aber.

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    PLUS: Das erste Interview mit Dichand junior
    PLUS: Der stille "Krone"-Macher
    PLUS: Hans Dichand im Interview: „Das ist schon eine Existenzfrage“
    PLUS: Friedrich Dragon im Interview: „Dichands Vorwürfe sind absurd“

    1.10.2003 15:03