Flat Tax im Nachbarland: Droht Steuerflucht aus Österreich?
- Slowakei krempelt Steuersystem komplett um - 19 Prozent "auf alles"
- Finanzminister erwartet Teuerungen und soziale Probleme
Droht eine Steuerflucht-Welle aus Österreich? Die benachbarte Slowakei führt im kommenden Jahr die "Flat tax" in Höhe von 19 Prozent auf alle Einkommen ein. Das ist zwar gar nicht so wenig, wie es scheint: In Österreich beträgt die durchschnittliche Belastung aller Einkommen nur rund 17 Prozent. Doch für Besser-Verdienende und Betriebe - vor allem in Ostösterreich - könnte sich der Sprung in den Osten schon rechnen.
Die Slowakei krempelt kurz vor ihrem EU-Beitritt im Mai 2004 das Steuersystem komplett um. Ab Jahresbeginn 2004 soll es einen einheitlichen Steuersatzes ("flat tax") von 19 Prozent für alle Einkommen von Privatpersonen ebenso wie Unternehmensgewinne und die Umsatzsteuer auf alle Waren und Dienstleistungen geben.
Für viele, vor allem gut betuchte, Österreicher ein verlockendes Angebot: Denn die komplizierte Steuerstruktur in Österreich und der progressive Steuersatz schrecken ab. Die Frage lautet nun: Droht eine große Steuerflucht in die Slowakei?
Preiserhöhungen bei vielen Produkten
Wie der slowakische Finanzminister und stellvertretende Premierminister Ivan Miklos bei einem Vortrag in Wien ausführte, werde es durch den Einheitssteuersatz zu Preiserhöhungen bei Lebensmitteln, Medikamenten, Tageszeitungen und anderen Produkten kommen, die derzeit noch mit einem ermäßigten Tarif besteuert werden.
Kurzfristige soziale Spannungen
"Langfristig wird sich aber auch die Situation für die Armen verbessern, da sich ihre Möglichkeiten verbessern werden", zeigte sich Miklos optimistisch. Kurzfristig rechnet er mit verschärften sozialen Spannungen zwischen den ärmeren und reichen Teilen der Bevölkerung. Für die ärmere Bevölkerung sei deshalb ein Ausgleich in Form von sozialen Zuschüssen geplant.
Einkommen bis 80.000 Kronen (1.942 Euro) jährlich sollen von der Einkommensteuer gänzlich befreit sein. Für höhere Einkommen werde es eine kontinuierliche Steigerung bis auf den Einheitssteuersatz von 19 Prozent geben.
Von der Änderung der Einkommensbesteuerung zur "flat tax" würden vor allem niedrige und hohe Einkommen profitieren, während sich die Situation für die mittleren Einkommen verschlechtern würde, so Miklos.
Um bei den bisher mit 10 Prozent besteuerten niedrigen Einkommen keine Verschlechterung zu haben, seien für sie die Abzugsposten erhöht worden. Die weiteren slowakischen Einkommensteuersätze liegen derzeit bei 20, 28 und 38 Prozent.
Um Doppelbesteuerungen zu vermeiden, werden Dividenden, Erbschaften und Schenkungen nicht besteuert. Ab 2005 soll es auch keine Grundverkehrsteuer mehr geben. Bereits 2003 wurden die beiden Mehrwertsteuersätze von 10 und 23 Prozent auf 14 und 20 Prozent geändert.
(apa, red)
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