Donnerstag, 2. Oktober 2003

Höchster Stand seit 5 Jahren! 300.000 haben keinen Job

  • Mehr als 44.000 in Schulungen
  • +Gesamt-Quote: 7,2% +Akademiker-Arbeitslosigkeit: +17,7%

Die Lage am Job-Markt ist trostlos! Die Zahl der Menschen, die Arbeit suchen, explodiert auf fast 300.000 - sie hat den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht: Ende November waren 248.156 Arbeitslose gemeldet (11.086 mehr als im November 2002). Rechnet man 44.127 (+ 1,4%) Joblose, die in Schulung sind, zu den offiziellen Zahlen, waren somit 292.283 Personen auf Arbeitssuche. Der ÖGB kritisiert die Regierung, Schüssel dagegen sieht einen Erfolg und "richtig gesetzte Schritte".

Auch im Monatsabstand ist die Bilanz düster: Der Anstieg beträgt 11% oder plus 24.522 im Vergleich zum Oktober.

5-Jahres-Hoch
Die Arbeitslosenquote stieg im November im Jahresabstand von 7,0 auf 7,2 Prozent und erreichte damit ein trauriges 5-Jahreshoch. Die höchsten Werte der vergangenen zehn Jahre wurden 1997 und 1998 mit jeweils 7,3 Prozent erzielt. Im Oktober 2003 betrug die Quote 6,5 Prozent.

Nach EU-Berechnung lag die Arbeitslosenquote im November bei 4,5 Prozent (Oktober 2003 4,5 Prozent, November 2002 4,3 Prozent).

Rekordwert in der Zweiten Republik
In absoluten Zahlen gab es mit 248.156 Jobsuchenden seit 1950 noch nie so viel Arbeitslose im November.

Akademiker besonders betroffen
Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren fast alle Altersgruppen betroffen. Besonders hohe Zuwächse gab es wie in den vergangenen Monaten bei den Akademikern mit plus 17,7 Prozent und Fachhochschulabsolventen mit plus 19,1 Prozent.

Verkürzt hat sich jedoch die Verweildauer. Mit 101 Tagen war die durchschnittliche Zeit der Arbeitslosigkeit heuer um 6 Tage kürzer als vor einem Jahr.

Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 0,80 Prozent oder um 25.381 auf 3,180.344 Personen. Rechnet man die Karenzgeldbezieherinnen oder Präsenzdiener heraus, betrug der Zuwachs jedoch lediglich 14.821 Beschäftigten. Gegenüber Oktober ging die Beschäftigung um 0,79 Prozent oder um 25.363 Betroffene zurück.

Hiobsbotschaft: Noch weniger Stellenangebote!
Weiter rückläufig entwickelte sich im November auch der Stellenmarkt. In den regionalen AMS-Geschäftsstellen waren Ende November 19.287 Jobs gemeldet, das waren um 1.651 oder um 7,9 Prozent weniger als vor einem Jahr.

ÖGB kritisiert
Mit fast 300.000 Jobsuchenden in Österreich betreibe die Regierung eine völlig falsche Politik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und setze nur Alibihandlungen, so ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch. Die schwarz-blaue Koalition habe die Auswirkungen des weltweiten Konjunkturabschwungs noch verstärkt, weil sie im kritischen Moment mit ihren "unsozialen Belastungspaketen" die Kaufkraft und die Investitionen empfindlich geschwächt habe.

Schüssel zufrieden
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) sieht Österreich nach der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitslosendaten von November "noch immer in der Spitzengruppe in Europa". Erstmals gebe es auch einen Rückgang der Arbeitslosenrate bei den 15- bis 19-Jährigen, stellte der Kanzler fest. Schüssel sieht darin einen Erfolg der Wachstums- und Jugendbeschäftigungsprogramme der Bundesregierung, die ihre Maßnahmen "richtig gesetzt" habe. "Noch immer problematisch" sei aber die Situation der 19- bis 25-Jährigen. Als Antwort seien "verstärkte Schulungsmaßnahmen" geplant. Derzeit befinden sich 17.000 Personen dieser Altersgruppe in Schulungen, das ist ein Zuwachs von 22 Prozent.
(apa, red)

2.10.2003 11:14