Dienstag, 30. September 2003

Zahlungsmoral hat sich in Österreich verschlechtert

Die Zahlungsmoral in Österreich hat sich heuer weiter verschlechtert und auch für das kommende Jahr ist keine Besserung in Sicht. Die Veränderungen seien zwar nicht dramatisch, gehen aber Schritt für Schritt in die falsche Richtung, so der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes von 1870, Johannes Nejedlik, am Dienstag bei der Präsentation der jährlichen Mitglieder-Umfrage.

Allerdings, so Nejedlik, zahlen private Schuldner besser als Unternehmen und dass trotz der ständigen Hiobsbotschaften der Schuldnerberatungen über überschuldete Haushalte. Die öffentliche Hand bleibt trotz Verbesserung ein schlechter Zahler. Mit einem durchschnittlichen Zahlungsverzug von 26 Tagen zahlt der öffentliche Sektor im Schnitt um 6 Tage später als ein Gewerbebetrieb.

Insgesamt ist in Österreich die Zahlungsdauer im Jahr 2003 um zwei auf 46 Tage gestiegen, der Zahlungsverzug erhöhte sich parallel dazu ebenfalls um zwei auf 20 Tage. Im internationalen Vergleich liegt Österreich um drei Tage über dem europäischen Schnitt.

Schwarze Schafe beim Zahlungsverhalten sind auch heuer wieder das Bau- und Baunebengewerbe sowie die Gastronomie. In der Bauwirtschaft betrug der Zahlungsverzug heuer unverändert 18 Tage. In der Gastronomie hat sich der Zahlungsverzug heuer um zwei Tage auf 15 Tage verschlechtert.

Als Gründe für den Zahlungsverzug der gewerblichen Kunden nennen 74 Prozent der Befragten Liquiditätsengpässe, 43 Prozent der Befragten glauben, dass vorsätzlich nicht bezahlt wird.

Bei den privaten Schuldnern halten sich auch heuer wieder die Gründe Überschuldung (35 Prozent), momentaner Liquiditätsengpass (30 Prozent), vorsätzliches Nichtbezahlen (32 Prozent) und Vergesslichkeit (25 Prozent) in etwa die Waage.

Insgesamt betragen die Lieferantenforderungen in Österreich laut KSV 38 Mrd. Euro, auf Inkassofälle entfallen rund eine Mrd. Euro. Etwa 30 Prozent davon werden vom KSV eingetrieben.
(apa)

30.9.2003 13:00